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05.08.2021

Wenn die Spieler ums Geld feilschen

Michael Kälin ist nach Jahren als Trainer des FC Freienbach zurückgetreten und spricht nun über seine Beweggründe.
Michael Kälin ist nach Jahren als Trainer des FC Freienbach zurückgetreten und spricht nun über seine Beweggründe. Bild: Archiv
Warum Michael Kälin wirklich das Handtuch als Trainer beim FC Freienbach geworfen hat.

Nach der Feier die Ernüchterung: Der Willerzeller Michael Kälin ist vor einigen Wochen bekanntlich als Trainer des FC Freienbach zurückgetreten. Und das, obwohl er mit dem Verein nach 19 Jahren wieder in die 1. Liga aufgestiegen ist. Was ist da passiert?

Aus «persönlichen Gründen» seien Trainer Michael Kälin und sein Assistent Sandro Stähli zurückgetreten, so kommunizierte der FC Freienbach Anfang Juli offiziell die Hiobsbotschaft des Trainergespanns. Ein Trainer-Duo, dem es gelungen ist, den lang gehegten Wunsch des Vereins zu erfüllen, sprich: nach fast zwei Jahrzehnten wieder erstklassig zu sein. Doch warum bloss hat der Erfolgscoach wirklich so kurz nach dem Aufstieg und nur gut sechs Wochen vor dem Saisonbeginn nach zwei Jahren und 30 Spielen mit dem Höfner Club plötzlich das Handtuch geworfen?

Sportchef und Trainer

Offensichtlich haben den früheren Trainer des Fanion-Teams des FC Einsiedeln vor allem zwei Dinge zunehmend belastet. Zum einen die finanziellen Begehrlichkeiten der Spieler des FC Freienbach, deren Entlöhnungsvorstellungen nach dem Aufstieg deutlich gestiegen sind. Zum anderen die Doppelfunktion Kälins als Sportchef und Trainer.

«Die Vertragsverhandlungen mit den Spielern waren sehr zermürbend, ich hing stundenlang am Telefon», beschreibt der 44-Jährige. «Dabei hatte der Verein Zahlungen an die Spieler erst vor Kurzem, nicht zuletzt als Konsequenz aus den beiden verkürzten Corona-Spielzeiten ohne Zuschauer, beträchtlich gekürzt.» Doch die Spieler haben offensichtlich wenig Einsicht gezeigt und gedroht, den Verein zu verlassen, würden ihre Wünsche nicht erfüllt. «Ich fühlte mich unter Druck gesetzt », so Kälin. Weiter erklärt er: «Ich wollte in dieser Situation eigentlich nicht mehr wie der CEO die Geschäfte einer kleinen Firma regeln müssen.» Es sei leider nicht möglich gewesen, seine Funktion als Sportchef einfach zu delegieren und nur noch als Trainer zu arbeiten. Die Doppelaufgabe sei vertraglich so vereinbart gewesen. «Andererseits verspürten wir vom Trainerteam ehrlich gesagt auch keine Lust mehr, nach diesem Hickhack um die Vertragsverhandlungen uns mit den Spielern wieder aufs rein Sportliche zu konzentrieren.»

«Lege wohl jetzt Pause ein»

Und was macht Michael Kälin künftig, der beruflich Sportlehrer an der Stiftsschule Einsiedeln ist und eine Familie mit drei Kindern hat? «Ich lege jetzt wohl erst einmal eine Pause ein», sagt Kälin, der über eine Trainer-B-Lizenz verfügt und für die 1. Liga langfristig wohl eine A-Lizenz bräuchte. «Ich könnte mir aber ohne Weiteres vorstellen, eine gute und motivierte Junioren-Mannschaft zu übernehmen.»

Wolfgang Holz, Einsiedler Anzeiger