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Wollerau
03.08.2021
03.08.2021 10:17 Uhr

Mit zwei Medaillen zurück in der Heimat

 Belinda Bencic lässt sich bei ihrer Ankunft am Flughafen Zürich feiern.
Belinda Bencic lässt sich bei ihrer Ankunft am Flughafen Zürich feiern. Bild: Keystone
Gestern landeten gleich sechs Olympia-Medaillengewinner in Kloten, wo sie von zahlreichen Fans bejubelt wurden. Unter ihnen auch die in Wollerau aufgewachsene Belinda Bencic, die sich Gold und Silber umhängen lassen konnte.

«Ich habe zwar schon erwartet, dass jemand da sein wird, aber nicht in diesem Mass», zeigte sich die Tennisspielerin erfreut. Es gäbe für einen Athleten nichts Grösseres, als eine Olympiamedaille zu gewinnen. «Ein Traum ist in Erfüllung gegangen, und alles, was jetzt kommt, ist Bonus», sagte Bencic gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-sda.

Früh gefördert worden

Bencic wurde früh von ihrem Vater Ivan unter anderem von Wollerau aus gefördert. Schon mit sechs Jahren trainierte sie ein halbes Jahr in Florida in der Akademie des legendären Nick Bollettieri, der zahlreiche Topspieler ausgebildet hat. Die Erfolge stellten sich rasch ein. Mit 17 Jahren stand sie am US Open im Viertelfinal, kurz vor ihrem 19. Geburtstag schaffte sie im Ranking zum ersten Mal den Sprung in die Top Ten – aktuell ist sie die Nummer zwölf. Ihre Zukunft schien rosig zu sein, doch sie wurde immer wieder von Verletzungen gestoppt. Am 11. September 2017 war sie nur noch die Nummer 318 der Welt. Viele schrieben sie schon ab. Doch sie kämpfte sich zurück.

Erfolgreiches Duo: Belinda Bencic mit ihrem Freund und Trainer Martin Hromkovic. Bild: Keystone

Das hat auch mit Hromkovic zu tun, der sie dank gut getimtem Training nicht nur fitter gemacht hat, sondern auch ihr Psychologe und wenn nötig Coach ist. «Sein Anteil ist riesig», sagte Bencic. «Er ist ebenfalls Sportler (Fussball), versteht mich, weiss genau, wie ich mich in welchem Moment fühle. Und obwohl wir ein Paar sind, ist er im Training hart zu mir. Das ist mega wichtig.» Hromkovic hebt ihren Fokus während den Einheiten hervor: «Sie gibt immer 110 Prozent.»

Ein Schlüssel zum Triumph in Tokio war Bencics Widerstandsfähigkeit, in der Psychologie Resilienz genannt. Sie liess sich nie unterkriegen, befreite sich immer wieder aus kritischen Situationen. Arbeitet sie speziell diesem Bereich? «Es ist unser Job, mental stark zu sein. Ich denke, jeder Spitzensportler hat das in sich», sagte sie. «Auf der anderen Seite härtet dich die Tour ab. Durch die vielen Spiele arbeiten wir automatisch daran, diesbezüglich ist das die beste Schule. Aber logisch mache ich auch separat etwas in diesem Bereich.»

Mit sich im Reinen

Zwar ist für Bencic eine Niederlage «das schlimmste Gefühl», sie hat jedoch gelernt, mit solchen umzugehen. «Rückschläge gibt es in jeder Karriere,glaube ich.» Das Wichtigste ist für sie, mit sich im Reinen zu sein, «alles für seinen Traum zu tun.

Wenn man immer alles gibt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, irgendwann belohnt zu werden.» Dass dem so ist, hierfür ist Bencic der beste Beweis. Ihre Beharrlichkeit, der Wille nie aufzugeben, hat sich in Tokio ausbezahlt. «Ich brauche nun etwas Zeit, um all das zu verdauen, werde nun feiern und glücklich sein», führte sie aus. Deshalb hat sie das am 9. August beginnende Turnier in Montreal abgesagt. Doch egal was nun noch kommt, «auch wenn ich kein Spiel mehr gewinnen sollte, das kann mir niemand mehr nehmen».

sda