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Sport
22.07.2021

Bencic freut sich auf die Premiere

Den grossen Wurf im Blick: Belinda Bencic will ihren Vorschusslorbeeren gerecht werden – an den Spielen in Tokio hat sie dazu zwei Chancen.
Den grossen Wurf im Blick: Belinda Bencic will ihren Vorschusslorbeeren gerecht werden – an den Spielen in Tokio hat sie dazu zwei Chancen. Bild: zvg
Mit dem grössten Selbstvertrauen dürfte die Wollerauerin Belinda Bencic nach ihrem Erstrunden-Ausscheiden in Wimbledon nicht nach Tokio gereist sein. Dafür voller Vorfreude. Für die 24-Jährige geht in Japan ein Traum in Erfüllung.

Belinda Bencic musste ihre Premiere lange Zeit erdulden. Vor fünf Jahren in Rio träumte sie schon von ersten Auftritten auf der olympischen Bühne, doch eine Handgelenkverletzung machte ihr kurz vor Beginn der Sommerspiele in Brasilien einen Strich durch die Rechnung. In Tokio sollte nichts mehr dazwischenkommen,  bereits am Samstag starten die Einzel- und Doppelwettbewerbe im Tennis.

Bencic ist nach einem langen Einreiseprozedere «voller Vorfreude und Spannung » in der Hauptstadt Japans eingetroffen. Viel geschlafen habe sie noch nicht. «Zum Glück fühlt sich aber das Bett bequem an», sagt sie. Den Schlaf wird sie noch brauchen. Denn die 24-Jährige hat in den nächsten Tagen und eventuell Wochen eine Doppelbelastung vor sich. Neben ihrem persönlichen Auftritt spielt sie auch an der Seite der vier Jahre älteren Viktorija Golubic.

Man kann sich nie sicher sein

Das Doppel mit der überraschenden Wimbledon-Viertelfinalistin nimmt sie zum Anlass, um von Grossem zu sprechen: «Was wir holen werden? Gold natürlich. » Aber schon im nächsten Satz relativiert sie: «Ich mache nur Spass.» Und doch hat man das Gefühl, dass eine Medaille für Bencic im Doppel – aktuell zumindest – realistischer scheint, als wenn sie alleine einer Gegnerin auf dem Court gegenübersteht. Denn die auf Rang 12 der Welt klassierte Schweizerin ist in diesem Jahr noch nicht auf Touren gekommen und zuletzt in Wimbledon in der ersten Runde gescheitert, obwohl sie sich gemäss eigenen Angaben «supergut» fühlte.

Auf der anderen Seite der Gefühlsskala – nämlich «schlecht» – fühlte es sich für sie an den US Open 2019 an, da stiess sie jedoch bis in den Halbfinal vor. «Dies zeigt einzig, dass man sich im Tennis nie sicher sein kann.» Beunruhigen lässt sich Bencic trotz der Erstrundenniederlage in Wimbledon nicht. Forsche Kommentare zu einem Medaillenziel in der Einzelkonkurrenz sind ihr aber auch nicht zu entlocken. Sie will es auf sich zukommen lassen, die Stimmung geniessen und «diesen in Erfüllung gehenden Traum voll auskosten».

Kein dritter Einsatz

Die Wollerauerin stellt sich auf den Standpunkt, dass Turniere in der Vergangenheit keine Rolle mehr spielen. Ganz egal, ob das jeweilige Fazit positiv oder negativ ausfiel. Und deshalb fasst Bencic kurz vor dem Turnier in Tokio zusammen: «Ich fühle mich gut, aber nicht unbesiegbar.» Für die 24-Jährige hätte es gar einen dritten Einsatz im Tennisturnier an den Olympischen Spielen geben können. Doch weil Roger Federer auf einen Start in Tokio verzichtet, kommt das Mixed-Doppel nicht zustande. Der 20-fache Grand-Slam-Sieger teilte Bencic seine Entscheidung im Voraus persönlich mit. «Traurig und enttäuscht war ich schon», sagt sie. Aber die Gesundheit gehe natürlich vor. Zweifel über ihren eigenen körperlichen Zustand erstickt sie sogleich im Keim. Ihr Rückzug für das Turnier in Prag hatte ausschliesslich terminliche Gründe. Statt in der tschechischen Hauptstadt Matchpraxis zu sammeln, bereitete sie sich lieber auf das Olympiaturnier und die zu erwartenden heissen Wetterbedingungen in Tokio vor. Wo sie nun Schritt für Schritt gehen will. Womöglich gar bis zum grossen Triumph. Im Einzel, im Doppel – oder gar in beiden Bewerben. Denn die Absenzen im Tennisturnier sind zahlreich.

Der grosse Wurf

Auch Bencic lässt sich nicht in die Karten blicken, wen sie von ihren Konkurrentinnen in der Favoritenrolle sieht. Bis auf Naomi Osaka, die auf den vermeintlichen Heimvorteil in Tokio zählen kann, sind Prognosen schwierig. Wie so oft im Frauentennis kann es auch eine Überraschung geben. Und deshalb bringt Bencic mit einem Lachen auch ihre Doppelpartnerin noch ins Spiel: «Vielleicht macht es ja auch Viki.» An Selbstvertrauen mangelt es der 28-jährigen Zürcherin nach ihrem Wimbledon-Viertelfinalvorstoss auf alle Fälle nicht.

Es wäre der grosse Wurf, den die Tenniswelt allen voran aber Belinda Bencic schon länger zutraut. Zumindest nach aussen hin bleibt diese cool und sagt: «Ich weiss nicht genau, wann meine Zeit kommt, aber ich gebe mir jeden Tag die Chance, einst etwas Grosses zu erreichen.» Die Überzeugung hat sie, dass ihr Aufwand irgendwann belohnt wird. Vielleicht ist irgendwann ja schon sehr bald.

Stefan Salzmann, SDA