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Wollerau
16.07.2021

Wollerauer zog es auf die Alp

Käser und Gastwirte in einem: Der Wollerauer Remo Bertenghi (links) und Thomas Kuster sind die neuen Pächter der Alpwirtschaft Zwäcken mitten im Mythengebiet. Sie wollen demnächst so richtig loslegen.
Käser und Gastwirte in einem: Der Wollerauer Remo Bertenghi (links) und Thomas Kuster sind die neuen Pächter der Alpwirtschaft Zwäcken mitten im Mythengebiet. Sie wollen demnächst so richtig loslegen. Bild: Silvia Gisler
Eigentlich wollte der einstige «Hirschen»-Siebnen-Wirt Remo Bertenghi nie wieder wirten. Dann aber besuchte er mit Kollege Thomas Kuster die Alp Zwäcken und verliebte sich in diesen Ort.

Zwei Biker verlangsamen ihre Fahrt, steigen ab und setzen sich an diesem heissen Nachmittag unter einen Sonnenschirm in der Alpwirtschaft Zwäcken. Wenig später trudelt eine kleine Gruppe Wanderer ein. Alle schwärmen sie von der traumhaften Aussicht mit Blick auf das Bergpa­norama inklusive Mythen-Massiv. Die ­Magie dieses Ortes war es, die auch den Wollerauer Remo Bertenghi und den Rapperswiler Thomas Kuster auf der Stelle in ihren Bann gezogen hat. «Ich habe mich letzten Sommer sofort in diesen Flecken verliebt», sagt Kuster. Und auch Bertenghi schwärmt von der Ruhe hier oben auf der Alp.

Das Käsen will gelernt sein

Die beiden Männer sind seit Anfang Mai die neuen Pächter der Alpwirtschaft Zwäcken. Dazu gehört die Wirtschaft mit 34 Innen- und 100 Aussenplätzen sowie die Käserei. «Der Start war sehr harzig», erzählen sie. «Erst konnten wir aufgrund des Schnees lange nicht zufahren», so Kuster. Hinzu kamen anhaltend schlechtes Wetter, Lieferverzögerungen bei den Küchengeräten und schliesslich noch Funktionsstörungen beim übernommenen Inventar. Dies führte dazu, dass das Speisen­angebot bis vor kurzem noch sehr gering ausfiel.

Den Unmut über diese Ansammlung an Problemen tun die beiden denn auch offen kund. Sie wollen endlich richtig starten, sagen sie motiviert – und Kuster verschwindet für kurze Zeit in die Käserei, um nach der Temperatur im Milchkessi zu schauen.

«Käsen ist etwas vom Schönsten, das ich je gemacht habe.»
Thomas Kuster, Pächter Alpwirtschaft Zwäcken

Er ist einer der neuen Käser auf dem Betrieb und hat bereits in den ersten Monaten auf der Alp mehrere Hundert Mutschli gefertigt. «Käsen ist etwas vom Schönsten, das ich je gemacht habe. Es macht mir unglaublich viel Spass», sagt er und erklärt, dass er und Bertenghi zuvor extra einen Alpkäserkurs besucht haben.

Damit jetzt in der Praxis nichts schief läuft, steht den Milchverarbeiter-Neulingen bei Fragen Ex-Zwäcken-Käser Martin Brun mit Rat und Tat zur Seite. Und dies wird wohl weiter nötig sein: Denn schon bald sollen neben den Mutschli weitere Käsesorten und Joghurt produziert werden.

Fokus auf Regionalität

Aber nicht alles ist für die seit Jahren befreundeten Männer Neuland. Mit dem Wirten, da kennt sich Bertenghi nämlich aus. Während rund vier Jahren führte er den «Hirschen» in Siebnen. Damals schwor er sich, «nie wieder zu wirten»! Und weshalb steht er nun doch wieder in der Küche und bedient Gäste am Buffet? «Ich habe erkannt, dass die Alpwirtschaft Zwäcken Potenzial hat und unsere Ideen gut sind», so der Wollerauer.

Die beiden Wirte sind überzeugt, dass ihr Konzept funktionieren wird. Bild: Silvia Gisler

Das Konzept der beiden beinhaltet einen Schwerpunkt: Regionalität. «Wir beziehen Fleisch, Brot, Torten und Nussgipfel neu von Muotathaler Herstellern», so Kuster. Er ist überzeugt, dass die Kunden bereit sind, den geringen Aufpreis für die lokalen Produkte zu bezahlen. Und übrigens: Die Wähen macht der Allrounder selber. Vielleicht werden sie zum neuen Geheimtipp?

Sonst wird in der Alpwirtschaft und Käserei aber nicht viel geändert. «Wir müssen das Rad nicht neu erfinden», betont Bertenghi. Aktuell bleibe der Montag ihr Ruhetag und die Selbstbedienung bestehen. Irgendwann werde dies vielleicht wieder ändern.

Silvia Gisler, Redaktion March24 & Höfe24