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Kanton
24.06.2021
22.06.2021 16:52 Uhr

Petition fordert Lockerungen bei der Einbürgerung

Saamini Sivakurunathar (r.) ist eingebürgert, Anja Kilians Antrag wurde abgelehnt.
Saamini Sivakurunathar (r.) ist eingebürgert, Anja Kilians Antrag wurde abgelehnt. Bild: zvg
Der Verein einbürgerungsgeschichten.ch lanciert eine Petition für faire Einbürgerungsverfahren. Auf der Webseite und in den sozialen Medien erzählen Ausländer ihre Geschichte des Einbürgerungsprozesses. Dazu gehören auch die beiden Höfnerinnen Anja Kilian und Saamini Sivakurunathar.

Elias Studer, Philipp von Euw und Sonia Casadei sowie viele weitere, die sie befragt haben, empfinden das Einbürgerungsverfahren im Kanton Schwyz als zu streng und unfair. Sonja Casadeis Ehemann war sogar schweizweit in den Schlagzeilen, weil der Schwyzer der Einbürgerungskommission in Arth die Frage beantworten musste, mit welchen Tier der Bär eine Wohngemeinschaft hat.

Die Seite des Vereins einbürgerungsgeschichten.ch ging am Sonntag online. Darauf sind Videos und Texte von und mit Personen zu lesen und zu sehen, die erzählen, wie sie den Einbürgerungsprozess erlebt haben. Gleichzeitig lancieren Studer, von Euw und Casadei die Petition «für ein faires Einbürgerungsverfahren im Kanton Schwyz». 

Bis im Spätherbst will der Verein möglichst viele Unterschriften sammeln und diese dem Regierungsrat überreichen. Zudem hofft man auf die Annahme der Einzelinitiative, über die heute im Kantonsrat diskutiert wird.

Sieben Forderungen

Die Petitionäre fordern erstens eine Kürzung der Wohnsitzfrist auf zwei Jahre (aktuell fünf Jahre), zweitens eine kostenlose Überprüfung der ablehnenden Entscheide durch eine unabhängige Stelle, drittens ein «kantonal einheitliches Verfahren mit messbaren und klar for-mulierten Kriterien bei Tests», viertens die Abschaffung des Staatskundetests für Gesuchsteller, die mindestens fünf Jahre obligatorische Schule in der Schweiz besucht haben, fünftens, dass Sozialhilfe kein Negativkriterium sein dürfe, wenn sie nicht selbstverschuldet sei, und dass sechstens die Kosten höchstens 500 Franken pro Person pro Einbürgerung und höchstens 1000 Franken pro Familie betragen dürfen. Nicht zuletzt fordert die Petition, dass das kommunale Verfahren im Normalfall nach einem halben Jahr abgeschlossen ist.

«Was sind Capuns, Anja Kilian?»

Anja Kilian kam 1987 zusammen mit ihrer Mutter in die Schweiz, die hier einen Schweizer heiratete. Da war Kilian 18 Jahre alt. Durch die Heirat bekam ihre Mutter damals automatisch den Schweizer Pass, Anja Kilian aber nicht, da sie schon volljährig war. Nach ihrer Ausbildung in Deutschland hatte sie in der Schweiz ihren ersten Job. Sie hat lange in Wollerau gewohnt und ist 2010 nach Freienbach gezogen. Aufgrund des Umzugs musste sie das Einbürgerungsverfahren von vorne beginnen und fünf weitere Jahre warten. 

2017 ging sie dann für die Beantragung des Schweizer Passes zu den verschiedenen Ämtern und musste schliesslich einen Staatskundetest machen. «Ich hatte noch gelernt, die Gemeinderäte von Freienbach und die Bundesräte», erinnert sich die 44-Jährige. Doch da waren «ganz lustige» Fragen dabei. Man wollte etwa von ihr wissen, wann das Cern gegründet wurde, was das aktive und das passive Wahlrecht sei und wie das 3-Säulen-Prinzip der Vorsorge funktioniere. Sieben Personen «verhörten» die Deutsche. Kilian war nervös, vergass die Hälfte der Gemeinde- und Bundesräte und wusste auch nicht, wie die Bäche in Freienbach heissen. 

«Ich sehe nicht schweizerisch aus»

Saamini Sivakurunathar ist in Lachen geboren worden und in Wollerau aufgewachsen. Heute lebt sie in Schänis. Obwohl sie Schweizerin ist und auch den Schweizer Pass hat, müsse sie sich wegen ihrem Aussehen immer wieder erklären. «Die Leute sind überrascht, dass ich Schweizerdeutsch spreche.»

Sivakurunathars Eltern sind 1990 wegen des Bürgerkriegs von Sri Lanka in die Schweiz geflüchtet. Erst jetzt, seit sie den roten Pass hat, fühlt sie sich von den anderen Schweizern anerkannt. Trotzdem gebe es ab und zu Blicke. «Leute, die aussehen wie ich, werden angeschaut.» Ihre Wurzeln liegen zwar in Sri Lanka, aber die Schweiz sei ihre Heimat: «Ich fühle mich hier mehr zu Hause als in Sri Lanka.» 

Als Saamini Sivakurunathar eingebürgert wurde, war sie noch im Oberstufenalter. Am Ende des Einbürgerungsverfahrens war sie zum ersten Mal an einer Gemeindeversammlung. Ihre Erinnerungen an diesen Tag seien unangenehm. «Wir waren in der MGH in Wollerau, mussten uns hinsetzen und später wurden wir dazu aufgefordert, den Saal während der Abstimmung kurz zu verlassen. Als wir wieder hineingeholt wurden, klatschten alle. Für mich war das sehr unangenehm, weil ich fand: Wieso müssen wir uns jetzt hier beweisen?» 

Einbürgerungen sind Thema im Kantonsrat

Heute wird im Parlament über eine Einzelinitiative der SP-Kantonsräte Jonathan Prelicz (Arth), Andreas Marty (Arth) und Carmen Muffler (Freienbach) entschieden. Gefordert wird, die kommunale Mindestaufenthaltsdauer bei Einbürgerungen auf zwei Jahre festzulegen. Heute sind es fünf Jahre. Nicht verändert würde dadurch die Mindestaufenthaltsdauer von zehn Jahren in der Schweiz. Regierungsrat und beratende Kommission beantragen dem Kantonsrat, die Initiative für nicht erheblich zu erklären.

Anouk Arbenz, Redaktion March24 & Höfe24