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Reichenburg
22.11.2021
23.11.2021 08:40 Uhr

In der Feuerwehr Reichenburg brennts

Die Wirren in der Feuerwehr Reichenburg würden sich in einem Ernstfall nicht auf die Einsatzfähigkeit auswirken. Hier ein Bild von der Hauptübung 2020.
Die Wirren in der Feuerwehr Reichenburg würden sich in einem Ernstfall nicht auf die Einsatzfähigkeit auswirken. Hier ein Bild von der Hauptübung 2020. Bild: Facebook
Ein besorgter Bürger befürchtet, dass die Feuerwehr Reichenburg aufgrund interner Meinungsverschiedenheiten im Ernstfall nicht einsatzfähig wäre. Dem widerspricht Gemeindepräsident Armin Kistler

In zwei Jahren möchte Reichenburgs Feuerwehrkommandant Kaspar Hahn sein Amt einem Nachfolger übergeben. Dafür vorgeschlagen hat er vor Längerem Simon Kistler. Dieser wird den Posten nun aber doch nicht übernehmen. Die beiden Herren gerieten aneinander. Es kam zum Knatsch. «In der Freiwilligen Feuerwehr Reichenburg gibt es das, was es in der Privatwirtschaft, wo viele verschiedene Menschen miteinander arbeiten, immer wieder gibt: Meinungsverschiedenheiten.» Dies erklärt Gemeindepräsident Armin Kistler auf Anfrage. Dass deshalb die Feuerwehr im Ernstfall nicht funktionieren würde, stellt er in Abrede. Auch Wehrmitglieder erklären, dass sich die Bürger keine Sorgen machen müssen. Erstens sei es in den letzten zehn Jahren wohl zu keiner Handvoll Brände gekommen und zweitens würde bei einem Grosseinsatz sowieso immer auch die Nachbarfeuerwehr mitaufgeboten, heisst es.

Dass neben Vize-Kommandant Simon Kistler auch mehrere Offiziere ihren Rücktritt angekündigt haben, bringt Gemeindepräsident Kistler ebenfalls nicht aus der Ruhe.«Seit Ende Oktober sind drei bis vier neue Offiziere in Ausbildung», sagt er. Damit werde die Einsatzfähigkeit auch nächstes Jahr zu 100 Prozent gegeben sein.

«Seit Ende Oktober sind drei bis vier Offiziere in Ausbildung.»
Armin Kistler, Gemeindepräsident Reichenburg

Keine Beurteilung möglich

Die Unzufriedenheit im Korps aber bleibt. Es heisst, dass Führungsstil und Kommunikation des Kommandanten Mühe bereiten. Dazu Kistler: «In der Feuerwehr herrscht eine Kommandostruktur mit klarer Hierarchie und einem zu erfüllenden Auftrag.» Dafür brauche es Menschen, die auch bei Schlechtwetter hinstehen und Verantwortung übernehmen würden – für die zu Rettenden und die Mannschaft. «Der Kommandant hat gemerkt,dass er vielleicht zu optimistisch war, was die Eignung seines Nachfolgers betrifft. Ob es längerfristig wirklich zu einem Problem gekommen wäre, kann ich nicht beurteilen, dafür bin ich zu weit weg», räumt der Gemeindepräsident ein.

Für einen Noch-Offizier ist klar: «Technisch kann man Simon Kistler nichts ankreiden.» Deshalb könnten sich einige Offiziere nicht damit anfreunden, ihn einfach so «abzusägen». «Als Kommandant vor Leute zu stehen, kann er lernen und mit den Aufgaben wachsen.» Simon Kistler sei von der Mannschaft akzeptiert und geschätzt worden. Sein Rücktritt werde sehr bedauert.

«Niemand ist perfekt. Jeder wächst mit einer Aufgabe.»
Simon Kistler, Ex-Vize-Kommandant

Man hätte ja auch später handeln können

Kommandant Kaspar Hahn wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äussern. Simon Kistler schon. Er ist enttäuscht. Er habe sich nicht um den Kommandoposten gerissen, habe sich aber mit Leib und Seele bemüht, es gut zu machen. «Niemand ist perfekt. Jeder wächst mit einer Aufgabe», sagt er selbstkritisch. Wenn man in ein/zwei Jahren gesehen hätte, dass es nicht geht, hätte man dann noch handeln können, findet er. Dass er über sieben Ecken erfahren musste, doch nicht als Kommandant eingesetzt zu werden, gehöre sich nicht. «Für mich ist es das Ende in der Feuerwehr für eine längere Zeit.»

Massenrücktritt in der Feuerwehr Reichenburg?

In der Feuerwehr Reichenburg brennts. Die Mannschaft hat sich aufgrund diverser Vorfälle, Entscheide und Äusserungen in verschiedene Lager geteilt. Gerüchten zufolge stehe der Rücktritt von zwölf Kaderleuten bevor.

Vizekommandant hat Rücktritt eingereicht

Es gibt Knatsch in der Führungsebene der Feuerwehr Reichenburg. Ausgelöst wurde er durch den Entscheid, dass Vizekommandant Simon Kistler nicht wie vorgesehen in ein paar Jahren das Kommando übernehmen kann. Kaspar Hahn, der amtierende Kommandant, erachtet den Anwärter langfristig gesehen für nicht ausreichend qualifiziert, heisst es. Doch die Kommunikation dieser Entscheidung lief nicht wunschgemäss. Es kam zum Zerwürfnis. In der Folge hat Simon Kistler per Ende Jahr seinen Rücktritt aus der Feuerwehr eingereicht. Sein Vize-Amt bleibt deshalb bis auf Weiteres unbesetzt.

Weitere Offiziere denken über Rücktritt nach

Hinzu kommt, dass vier von sechs Offizieren mit dem Gedanken spielen, ebenfalls den Rücktritt einzureichen. Dies, weil sie mit der Zukunftsplanungvon Gemeinde und Kommando und dem Entscheid um Simon Kistler nicht einverstanden sind. Ihrer Meinung nach habe Kistler technisch gesehen zweifelsfrei das Zeug zum Kommandanten. «Er sei eben ein ruhiger Typ und könne noch nicht so gut vor Leute stehen», gibt einer der Offiziere zu. Er glaubt, dass dies mit etwas Übung und Erfahrung besser würde.

Diverse Weiterbildungskurse absolvieren

Nichtsdestotrotz soll nun Valentin Knobel auf den Kommandoposten vorbereitet werden. Er müsse allerdings noch diverse Weiterbildungskurse absolvieren, welche Kistler bereits im Sack gehabt hätte. Bis zum geplanten Rücktritt von Noch-Kommandant Kaspar Hahn im Jahr 2023 sollte Knobel diese aber bestanden haben.

Silvia Gisler, Redaktion March24 & Höfe24