Home Region Sport Agenda In-/Ausland Magazin
Digital
16.11.2021
16.11.2021 15:10 Uhr

«Wir sind im Netz viel weniger neutral unterwegs, als wir denken»

Cornelia Diethelm setzt sich mit ethischen Fragen der Digitalisierung auseinander.
Cornelia Diethelm setzt sich mit ethischen Fragen der Digitalisierung auseinander. Bild: zvg
Ethik in der Digitalisierung – wie geht das? Cornelia Diethelm ist Expertin für digitale Ethik und berät Unternehmen. Sie sieht ihre Aufgabe darin, den digitalen Wandel an der Schnittstelle von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

Welches ist Ihre Definition von Ethik?

Es geht um den bewussten Entscheid, wie wir leben wollen. Das betrifft jeden Einzelnen und uns als Gesellschaft.

Welches ist Ihre Definition von Digitalisierung?

Die Digitalisierung basiert auf Daten. Das vereinfacht Prozesse, bildet die Basis für ganz neue Angebote und Dienstleistungen und verändert auch unser Zusammenleben.

Warum braucht die Digitalisierung nun ethische Vorgaben?

Technologisch wird immer mehr möglich. Doch nicht jede Technologie ist heute schon ausgereift. Vor allem aber müssen wir uns die Frage stellen, wo wir die neuen Möglichkeiten nutzen wollen und wo nicht. Zum Beispiel, weil die Privatsphäre von Personen verletzt wird. Deshalb haben wir den Datenschutz. Damit lässt sich sicherstellen, dass unsere Daten nur gerade für diesen einen Zweck genutzt werden, etwa für das E-Banking oder einen Online-Kauf. Die Ethik hilft uns, das digitale Zusammenleben so zu gestalten, dass es unseren Wertvorstellungen entspricht.

Sie beraten Firmen in wirtschaftsethischen Fragen. Nennen Sie ein Beispiel der Fragestellung, wenn Sie beratend tätig sind.

Ein Unternehmen überlegt sich, was seine Unternehmenswerte sind. Zum Beispiel: Wir wollen niemanden diskriminieren, wir wollen fair mit Kunden umgehen und wir wollen, dass Kunden selber entscheiden können. Wenn man solche Werte in eine Ethik-Richtlinie schreibt, dann hat das einen Einfluss darauf, wie die Produkte gestaltet werden, zum Beispiel indem Kunden Wahlmöglichkeiten haben. Der Kunde kann sagen, ich möchte mittels Stimmerkennung identifiziert werden oder nicht. Nun ist es so, dass alle Unternehmen gewisse Werte haben, oftmals sind sie sich aber nicht bewusst, was diese für den digitalen Raum bedeuten. Eine schriftliche Richtlinie löst wichtige Diskussionen intern aus und schafft Orientierung für Führungskräfte und Mitarbeiter.

Ethische Überlegungen gehören in der Regel zu «weichen Faktoren» in einem Unternehmen. Firmen sind also nicht verpflichtet, ethische Aspekte zu berücksichtigen. Warum sollen sie es trotzdem tun?

Kunden bevorzugen Firmen mit einer guten Reputation: Ist die Firma «sympathisch »? Habe ich gute Erfahrungen mit dieser Firma gemacht? Behandelt sie ihre Mitarbeiter und Lieferanten fair? Bietet sie Lehrstellen an? Solche Faktoren beeinflussen den Kunden bei seinen Kaufentscheiden. Der Preis allein ist also nicht ausschlaggebend. Unterschätzt wird auch, dass sich gut qualifizierte sowie jüngere Mitarbeiter für eine sinnhafte Arbeit bei einem guten Unternehmen entscheiden.

Macht es auch Sinn, sich persönlich mit Ethik in der Digitalisierung auseinanderzusetzen? Kann eine einzelne Person etwas bewirken?

Auf jeden Fall! Es ist wie bei der Nachhaltigkeit: Der Staat kann gewisse Regulierungen vorsehen in Bereichen, die wir alle wichtig finden. Diese sind in einer globalen Welt aber schwer durchsetzbar. Deshalb braucht es Unternehmen, die sich auch im digitalen Raum verantwortungsvoll verhalten. Jede einzelne Person nimmt über ihr Verhalten ebenfalls Einfluss. Gewisse Anbieter würde es nicht mehr geben, wenn wir nicht mehr auf ihren Plattformen wären. Unternehmen schauen immer, was die Kunden wollen.

Dies ist nur ein Auszug aus dem Gespräch mit Cornelia Diethelm. Das ganze Interview findest du im «March Anzeiger» und «Höfner Volksblatt» vom 16. November 2021.

 

Cornelia Diethelm


Geburtsdatum: 2. April 1972
Wohnort: Kölliken, Heimatort ist Schübelbach
Zivilstand: in langjähriger Partnerschaft
Beruf: Expertin für digitale Ethik und Unternehmerin
Hobbys: Lesen, mit dem E-Bike in der Schweiz unterwegs sein (bewusst Abstand von der Kopfarbeit nehmen), wandern.

Referat zum Thema «Digitaler Fussabdruck»

Das Frauennetz Schwyz lädt am Donnerstag, 18. November, um 19.30 Uhr zu einem Referat mit Cornelia Diethelm, Expertin für digitale Ethik und Unternehmerin, ein. Der Anlass findet im Restaurant Grüne Gans im Natur- und Tierpark Goldau statt. Thema ist: «Mein Fussabdruck in der digitalen Welt: Gefahren, Chancen, Tipps.» Der Anlass wird hybrid durchgeführt. Das Referat kann live nach Hause übertragen werden. (pd)

Johanna Mächler, Redaktion March 24 und Höfe 24