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Digital
14.11.2021
06.05.2022 15:37 Uhr

Der Kanton Schwyz ganz im Zeichen des digitalen Wandels

Bild: Verein GRdigital (Homepage)
Ein Onlineportal für Wirtschaftsnews, ein Gerät, das dabei hilft, die Gehirnleistung mittels Training zu verbessern und ein Sensor, der bei einem Leck im Flachdach Alarm schlägt: Drei Schwyzer Digitalpioniere präsentierten im Seedamm Plaza überraschende Innovationen.

Am Mittwoch fand die 5. Ausgabe des Schweizer Digitaltags statt. Der Kanton Schwyz war das erste Mal mit einem eigenen Programm mit von der Partie und widmete sich an der Abendveranstaltung im Seedamm Plaza in Pfäffikon erfolgreichen digitalen Geschäftsmodellen aus der Region – moderiert von Sara Wicki von Tele1. Organisiert hatte den Anlass das Amt für Wirtschaft und die Unternehmensplattform Schwyz Next.

Unternehmen bezahlen für Artikel

Helmuth Fuchs aus Einsiedeln ist alleiniger Besitzer des etablierten Online-Wirtschaftsportals Moneycab mit fünf festen Mitarbeitenden. Im Fokus stünden dabei der Finanzsektor, IT-Unternehmen, Start-ups – stets mit Schweizer Bezug. Anders als andere Portale für Wirtschaftsnews finanziert sich die Plattform nicht über Werbung. «Wir lassen Unternehmen dafür bezahlen, dass sie auf unserem Portal Beachtung finden», erklärte Helmuth Fuchs in seinem Vortrag. Die Texte würden vom Redaktionsteam professionell aufbereitet. Die Werbung sei im Preis inbegriffen.

Das Modell nahm anfänglich nur zögerlich Fahrt auf. Den Unternehmen wurde aber laut Fuchs mit der Zeit klar, dass Moneycab eine Plattform bietet, wo sie sicher wahrgenommen werden. Mittlerweile erreicht sie in der Schweiz 70 000 Leser. Die Inhalte würden zudem über soziale Medien verbreitet und einem Partner-Portal in Deutschland zur Verfügung gestellt. So erreicht Moneycab eine Reichweite von 500 000 User pro Monat.

Helmuth Fuchs Bild: Franziska Kohler

Schweizer Digitaltag

Am Mittwoch fand landesweit der 5. Schweizer Digitaltag der branchenübergreifenden Initiative digitalswitzerland statt. Dieses Jahr ging er der Frage nach: «Was wünschst du dir von der digitalen Zukunft?». Ziel der Initianten ist, «Digitalisierung erlebbar zu machen und den Dialog darüber zu fördern». Der Digitaltag wurde in diesem Jahr zum ersten Mal von einer sechswöchigen Vorphase eingeläutet. Rund 120 Partner in 19 Städten oder Kantonen boten Workshops und Kurse zu verschiedenen digitalen Themen für alle Altersgruppen an. Die Kurse konnten online wie physisch besucht werden.

Frage nach Unabhängigkeit

Auf die Frage, wie es denn um die journalistische Unabhängigkeit des Portals stehe, betonte Helmuth Fuchs: «Nur rund ein Drittel des Inhalts ist bezahlt. » Ein Drittel stamme von Agenturen und ein Drittel sei eigene Recherche. Für ein Unternehmen unbequeme Fakten würden nicht totgeschwiegen. Dies sei wichtig für die Reputation des Portals und auch des betroffenen Unternehmens. Manuela Adcock ist promovierte Neurophysiologin und Forschungsleiterin der Dividat AG mit Sitz in Schindellegi. Das Spin-off-Unternehmen der ETH Zürich nutzt die Digitalisierung im Gesundheitswesen, um «Selbstständigkeit und Gesundheit in allen Lebensphasen zu fördern». Die Firma hat ein Trainingstool mit dem Namen Senso entwickelt, das Bewegung und mentale Stimulanz miteinander verbindet. Es besteht aus einer drucksensitiven Platte mit Vibrationsmotoren, LEDs und einem Bildschirm. Darauf laufen Computerspiele – die Trainierenden benutzen keinen Joystick für das Spiel, sondern ihre Körperbewegungen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass physisches Training einen positiven Effekt auf die Hirnstruktur hat. «Wer Joggen geht, verbessert auch seine Gedächtnisleistung», fügte Adcock an.

Körper und Geist trainieren

Aber auch kognitives Training verbessert die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Bewegung in Kombination mit mentaler Stimulanz, zum Beispiel durch das Lösen von Aufgaben, löst einen Synergieeffekt aus. Das heisst, Körper und Geist werden optimal trainiert. «Unser alltägliches Leben basiert stark auf dem interaktiven Zusammenspiel der beiden», erklärte Manuela Adcock.

Durch Krankheit, Unfälle oder im Alter kann dieses Zusammenspiel gestört sein. Stürze hätten nicht nur etwas mit Muskelschwäche zu tun. «Man stürzt auch, weil man kognitive Defizite hat», so die Forscherin. Da das Gehirn ein sehr plastisches Organ sei und gut auf äussere Einflüsse reagiere, kann seine Leistung mit geeigneten Mitteln trainiert werden. Senso erlaube auch ein Assessment, die Beurteilung der Trainingsleistung oder die Weiterführung einer Rehabilitation zu Hause – aus der Ferne überwacht von einer Fachperson.

Manuela Adcock Bild: Franziska Kohler

Gebäude zum Sprechen bringen

Flavio Wyss ist Wirtschaftsingenieur mit einem zusätzlichen Master in Business Development und Partner beim Start-up Orkanet Siworks AG mit Sitz in Schindellegi. Das Unternehmen bringt «Gebäude zum Sprechen». Das heisst, es bietet Sensoren und eine digitale Plattform zur autonomen Leckageüberwachung, beispielsweise von Flachdächern und Dachterrassen, an. So lassen sich Schäden und Störungen frühzeitig erkennen und damit Kosten sparen.

Dem System liegt die Idee des «Internet of Things (IoT)», dem Internet der Dinge zugrunde. «Geräte lernen zu kommunizieren», so Flavio Wyss. «Physische und virtuelle Objekte können vernetzt werden.» Dies berge auch gewisse Gefahren für den Datenschutz. Die Lecksensoren seien aber autonom. «Sie sind weder mit dem Internet verbunden, noch benötigen sie Strom», so Wyss. Sie seien batteriebetrieben und würden über den Funkstandard LoRa der Swisscom kommunizieren. So sei eine Installation auch im Rohbauzustand möglich. Das System koste inklusive Einbau 3470 Franken. Hinzu kämen noch 90 Franken Servicegebühren pro Jahr.

Flavio Wyss Bild: Franziska Kohler

Live-Hacking demonstriert dem Publikum anschaulich Probleme der Datensicherheit

Die Mittagsveranstaltung des Digitaltags im Kanton Schwyz fand in Seewen statt und stand im Zeichen von Datenschutz und Datensicherheit. Mit Hilfe eines Künstlerkollektivs zeigte André Henri Kuhn, Dozent an der Hochschule Luzern und Jurist bei Advokatur Sury, konkret, wie schlecht die Bevölkerung ihre Daten schützt und warum Datenschutz so wichtig ist. Im Rahmen eines Live-Hackings stellte Ivan Bütler, Gründer und Verwaltungsratspräsident von Compass Security in Rapperswil-Jona, verschiedene Vorgehen von Hackern vor und demonstrierte vor Ort am Beispiel eines Handys aus dem Publikum sogenanntes Phishing per SMS. Diese Methode nutzen Hacker, um sich Zugang zu Smartphones zu verschaffen. Danach zeigte Bütler, wie mit Hilfe eines technischen Tricks Kreditkartendaten aus Webshops ausgelesen werden können. Auch eine Phishing-Attacke per E-Mail-Anhang, um sich den Zugang zu einem PC zu verschaffen, war Thema dieses Live-Hackings.

Peter Meyer betonte, dass es heute technisch relativ schwierig sei, eine Firewall von aussen zu knacken – wenn auch nicht unmöglich. Der Faktor Mensch spiele in vielen Fällen eine entscheidende Rolle. Es seien Menschen, die Hackern den Zutritt verschaffen, indem sie beispielsweise unbeabsichtigt kontaminierte E-Mail-Anhänge öffnen würden. Swiss Next plant laut Meyer, eine Austauschplattform für Schwyzer Unternehmen zu schaffen, die bereits gehackt wurden. Ziel sei, in diskretem Rahmen konkrete Erfahrungen auszutauschen, um künftig gegen Angriffe besser gewappnet zu sein.

Franziska Kohler, Redaktion March24 & Höfe24