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Lachen
11.11.2021

Der Lachner muss in Brüssel die Schweiz erklären

Michael Rauchenstein und Urs Fink beim Podiumsgespräch der SRG Schwyz.
Michael Rauchenstein und Urs Fink beim Podiumsgespräch der SRG Schwyz. Bild: Mia Jule Hähni
Der Lachner Michael Rauchenstein ist seit März 2020 SRF-Korrespondent in Brüssel. Am Dienstag gewährte er Interessenten an einem Podiumsgespräch Einblick in sein Leben als meist geschalteter Korrespondent.

Am Dienstagabend gastierte ein bekanntes Gesicht im Hotel Bären in Lachen. Der Lachner Michael Rauchenstein, SRF-Korrespondent in Brüssel, gewährte an einem Podiumsgespräch der SRG Schwyz Interessierten einen Einblick in die Arbeit als Auslandskorrespondent. Urs Fink, Präsident der SRG Schwyz, führte durch das Gespräch und stellte Rauchenstein spannende Fragen zum Leben in Brüssel und den täglichen Aufgaben als EU-Korrespondent. Auch die anwesenden Gäste durften dem Journalisten Fragen stellen. Rauchenstein zeigte sich zu Beginn des Podiumsgesprächs sichtlich erfreut, da viele bekannte Gesichter erschienen, um den Anlass mitzuverfolgen. «Selbst das Sprechen in der Tagesschau fällt mir leichter», scherzte der Lachner.

Vorbereitungen für die Tagesschau

Natürlich interessierte es viele, wie ein Beitrag für die Tagesschau entsteht. «Nach der Redaktionssitzung am Morgen mit den Kollegen aus Zürich ist der Tag mit viel Recherche und Vorbereitungen gefüllt», erklärte Rauchenstein. Nachmittags müsse er dann mit dem Moderator der Tagesschau telefonieren, um die Sendung zu besprechen. «Viele Leute wissen das nicht, aber die Fragen, die der Moderator in der Tagesschau stellt, sind dem Korrespondenten im Vorhinein bekannt und man hat Zeit, sich darauf vorzubereiten», stellte Rauchenstein mit einem Schmunzeln klar. Für einen Beitrag müsse jeweils viel organisiert werden und so kümmere er sich um Kameramann, Videomaterial, Schnittplatz, Vertonung und Editor, erklärte der Lachner weiter. Der fertige Beitrag werde anschliessend in Zürich überprüft, um Fehler zu korrigieren.

«Es ist eher schwierig, in einem EU-Land an Key-Players und Leute mit Informationen zu gelangen, wenn man selbst aus einem nicht EU-Land stammt.»
Michael Rauchenstein, SRF-Korrespondent in Brüssel

Netzwerken im Journalismus

Der Journalist weiss, wie wichtig ein gutes Netzwerk in den Medien ist. «Es ist von Vorteil viele Leute zu kennen. Oft kommt es dabei zu «Off the Records Gesprächen», die neue Sichtweisen und Informationen offenbaren können. Man muss aber darauf achten, die Quellen der Informationen nicht preiszugeben», so der Korrespondent. Grundsätzlich sei es eher schwierig, in einem EU-Land an Key-Players und Leute mit Informationen zu gelangen, wenn man selbst aus einem nicht EU-Land stammt, erklärte Rauchenstein. Es gäbe dabei viel mehr Barrieren und Grenzen.

«Ich versuche meine eigene politische Meinung über das Vorgehen in der EU nicht durchblicken zu lassen.»
Michael Rauchenstein, SRF-Korrespondent in Brüssel

Brüssel und die Schweiz

Eine Frage handelte davon, wie Brüssel auf die Entscheidung der Schweiz, das Rahmenabkommen abzulehnen, reagiert hat. Rauchenstein erklärte, dass man es sich in Brüssel nicht gewohnt sei, dass jemand «Nein» sage und ablehne. «Weder in der Schweiz noch in Brüssel weiss man, wie es weiter gehen soll. Ich glaube deshalb nicht, dass sich die Situation in den nächsten zwei Jahren entspannen wird.» Laut Rauchenstein wolle Brüssel die direkte Demokratie der Schweiz nicht wirklich verstehen und lehne diese Regierungsform wohl eher ab. Es sei ihm bewusst, dass er als Korrespondent in Brüssel eine schwierige Position einnehme, welche ihm viel Kritik aus der Schweiz bescheren kann. «Da ich im Fernsehen die Meinung von Brüssel vermitteln und interpretieren muss, werde ich auch mal von Schweizern dafür kritisiert, was ich sage. Ich versuche jedoch, meine eigene politische Meinung über das Vorgehen in der EU nicht durchblicken zu lassen», so Rauchenstein.

EU-Korrespondent und dann?

Michael Rauchensteins Zeit als Korrespondent in Brüssel wird nach fünf Jahren automatisch enden. Er verfügt über einen Übernahmevertrag, welcher es ihm ermöglicht, weiterhin beim SRF in Zürich zu arbeiten. Auf die Frage, wie es für ihn weiter gehen wird, hatte er eine einfache Antwort. «Ich weiss es noch nicht. Meine Familie und Freunde sind in der Schweiz. Ich vermisse es, Zeit mit ihnen zu verbringen und aktiv an ihrem Leben teilzunehmen.» Es ziehe ihn in die Schweiz zurück, das spüre er. Jedoch wolle er zuerst abwarten, was noch auf ihn zukomme, und dann entscheiden. «Ich sage aber niemals nie.»

Mehr zu Michael Rauchenstein

Michael Rauchenstein hat an der Universität Luzern und an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaft studiert und Ende 2018 mit dem Master abgeschlossen. Während seines Studiums war er bereits zweieinhalb Jahre als freier Redaktor für SRF in Berlin tätig. Vor seiner Tätigkeit für SRF sammelte Michael Rauchenstein erste Medienerfahrungen als Redaktor und Moderator der Jugendsendung «VideoGang», später als Moderator bei Radio Top und beim Zentralschweizer Fernsehen.

Seit Juli 2018 arbeitet Michael Rauchenstein bei SRF am Studiostandort Zürich Leutschenbach sowohl im Newsroom als Redaktor für die Ausland- und die Videoredaktion als auch für den Fachbereich Dokumentation und Archive. Ausserdem ist er für die «Arena» tätig. Seit März 2020 ist er auf der TV-Korrespondentenstelle in Brüssel.

Mia Jule Hähni, Redaktion March24 & Höfe24