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Geld & Energie
11.11.2021

Kunde kann klimafreundliche Kerosin-Variante wählen

Kühne + Nagel hat die Verwendung von CO2neutralem Kerosin lanciert.
Kühne + Nagel hat die Verwendung von CO2neutralem Kerosin lanciert. Bild: Keystone
Seit Dienstag bietet Kühne + Nagel als erster Logistikkonzern der Welt seinen Kunden ein alternatives Kerosin an. Das CO2-neutrale Kerosin ist für einen Aufpreis von 20 bis 50 Prozent zu haben.

Kühne + Nagel mit Sitz in Schindellegi ist die Nummer eins im weltweiten Luftfracht-Verkehr. Als erster Konzern dieser Branche bietet er seit dieser Woche Luftfracht mit alternativem Kerosin an. Das Kerosin wird produziert aus Stroh, Bioabfällen, Klärschlamm, Holz, Frittieröl und vielem anderem. Es wird von verschiedenen Airlines in eher bescheidenen Mengen verwendet. So benutzen auch die Lufthansa und die Swiss das CO2-neutrale Kerosin, wie auf srf.ch zuvernehmen ist.

Investition wichtig

«Das SAF genannte CO2-neutrale Kerosin ist für Kunden von Kühne + Nagel buchbar und kostet je nach Flugstrecke zwischen 20 und 50 Prozent mehr als herkömmliches Kerosin», wird Marcel Fujike, Verantwortlicher für Innovation bei Kühne + Nagel zitiert. SAF steht für Sustainable Aviation Fuel. Der Logistikkonzern bietet laut SRF das Kerosin zum Selbstkostenpreis an. Warum? «Es muss sich etwas tun. Wir wollen die Technologie fördern», erklärt Fujike.

Auch von einem Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt kommen anerkennende Worte für den Schindellegler Konzern. «Das Vorpreschen von Kühne + Nagel ist wichtig für die Verbreitung der sauberen Kerosine», sagt Manfred Aigner.

Dabei ist die Investition in die neue Technologie alles andere als sicher. Es sei aber wichtig, dass Firmen wie Kühne + Nagel oder auch die Lufthansa trotzdem investieren und das Kerosin einsetzen. «Damit fördern sie weitere Investitionen in diese Thematik», so Aigner gegenüber SRF. Bei Kühne + Nagel nutzen erste Kunden die SAF-Option bereits.

Pandemie verzögert Nachfrage

Der Moment, das teure SAF ausgerechnet jetzt anzubieten, sei nicht der beste, weil die Frachtkosten wegen der Lieferengpässe sowieso schon in den Himmel gestiegen seien, sagt Fujike. Entsprechend rechne man mit einem schwierigen ersten Jahr. «Aber danach denke ich schon, dass wir eine gewisse Nachfrage sehen werden. Wir sehen sie bereits heute schon», so der Logistik- Manager. Die Akzeptanz des CO2-neutralen Kerosins durch Logistiker wie Kühne und Nagel sei umso wichtiger, da es zu Kerosin keine Alternative gebe, ergänzt Aigner vom Raumfahrtzentrum.

In den Himmel wachsen die Bäume aber vorerst nicht. Pro Jahr werden erst 200 Millionen Liter SAF hergestellt. Alleine die Frachtkunden von Kühne & Nagel verfliegen aber wöchentlich 40 Millionen Liter Kerosin. Und doch: «Ziel muss sein, dass alle Flugzeuge dereinst mit CO2-freiem Kerosin fliegen», sagt Marcel Fujike.

Urs Attinger, Redaktion March24 & Höfe24