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Pfäffikon
10.11.2021

Schon wieder Corona – aber diesmal ein bisschen anders

Sie referierten und diskutierten zu den Folgen von Corona für unsere Gesellschaft: (v. l.) Guy Bodenmann, Corinne Hansen, Gesprächsleiterin Flurina Valsecchi und Ueli Mäder.
Sie referierten und diskutierten zu den Folgen von Corona für unsere Gesellschaft: (v. l.) Guy Bodenmann, Corinne Hansen, Gesprächsleiterin Flurina Valsecchi und Ueli Mäder. Bild: Stefan Grüter
Was hat Corona mit uns gemacht? Im Gesprächspunkt Höfe diskutierten am Montagabend im Seedamm Plaza in Pfäffikon ein Psychologe, ein Soziologe und eine HR-Managerin.

Eine «Schlussbilanz» der Coronapandemie kann zweifelsohne noch nicht gezogen werden. Aber immerhin: Seit gut eineinhalb Jahren leben wir mit der Pandemie. Die einen mögen davon nichts mehr hören, andere befassen sich nun mit den Auswirkungen der Pandemie und den entsprechenden Beschränkungen auf unser gesellschaftliches Leben.

Der Gesprächspunkt Höfe widmete sich am Montagabend im Seedamm Plaza in Pfäffikon dem Corona-Einfluss auf unsere Gesellschaft. An der Gesprächsrunde unter der Leitung von Flurina Valsecchi, der Chefredaktorin des «Boten der Urschweiz», nahmen Corinne Hansen, Executive HR-Managerin bei der Estée Lauder AG, Guy Bodenmann, Ordinarius für Klinische Psychologie an der Uni Zürich, und Ueli Mäder, emeritierter Soziologie- Professor der Uni Basel, teil.

«Die meisten sind gut durch die Zeit gekommen»

Grosse «Schäden» zeichnen sich nicht ab, darin waren sich die Gesprächsteilnehmenden einig. «Die meisten sind gut durch die Pandemie-Zeit gekommen », stellte Psychologe Bodenmann fest. Und Soziologe Mäder ergänzte: «Für Leute in kleinen Wohnungen und in unsicheren Arbeitsverhältnissen war es schwierig. Zudem haben sich die Ungleichheiten verschärft: Je tiefer das Einkommen ist, desto härter wurden die Leute getroffen.» Aus der Praxis schilderte HR-Managerin Hansen die Corona-Spuren in der Belegschaft der Estée Lauder AG: «Wir beschäftigen Personen aus 55 Nationen. Für viele ist das Arbeitsumfeld praktisch das einzige soziale Netz hier, und für diese Mitarbeitenden war die Situation schwierig.» Zumindest wirtschaftlich haben die Lauder-Mitarbeitenden jedoch nicht gelitten. «Die Inhaber-Familie hat einen Hilfsfonds ins Leben gerufen. Aus der Schweiz wurde jedoch kein einziges Hilfsgesuch eingereicht», so Hansen.

Bodenmann machte einen durchaus positiven Trend zur Entschleunigung aus, während Mäder einen gewissen Kreativitätsschub für Unternehmen positiv bewertete. Da fügte Hansen an, dass sie persönlich die Zeit genutzt habe, um für ein Flüchtlings-Hilfswerk in Griechenland zu nähen.

«Zweifeln ist erlaubt»

Positiv aufgefallen ist Guy Bodenmann auch der entstandene Dialog zwischen Wissenschaft und Politik. Dass dadurch in der Bevölkerung eine Debatte entstanden ist, ist für Ueli Mäder klar: «Unzufriedenheit gehört zu einer Debatte, und zweifeln ist erlaubt», sagte der Soziologe. Toleranz und Grosszügigkeit seien jedoch Voraussetzung für eine vernünftige Diskussion: «Die anderen Sichtweisen müssen zugelassen werden. Besserwissertum wirkt störend», so Bodenmann. Eine Spur, welche die Coronapandemie in der Gesellschaft hinterlassen dürfte, ist für Bodenmann die Erkenntnis, «dass nicht alles selbstverständlich ist».

Stefan Grüter, Redaktion March24 & Höfe24