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Lachen
02.11.2021

Spitalpflege: «Die Zeiten zum Durchatmen gibt es fast nicht mehr»

Simone Machado: «Ob Pflegeinitiative oder Gegenvorschlag – das Thema Fachkräftemangel muss einfach ernsthaft angegangen werden.»
Simone Machado: «Ob Pflegeinitiative oder Gegenvorschlag – das Thema Fachkräftemangel muss einfach ernsthaft angegangen werden.» Bild: Johanna Mächler
Simone Machado leitet und organisiert seit August 2020 die Einsätze der Pflegefachleute im Spital Lachen. Sie hält fest, dass der Fachkräftemangel in der Pflege nicht erst seit Corona besteht, «aber Corona hat ihn verschärft».

mit Simone Machado sprach Johanna Mächler

Durch die Corona-Situation sind viele Spitäler in eine angespannte Lage geraten, vor allem, weil es an Pflegefachleuten fehlt. Auch im Spital Lachen?

Ja, das war so. Wir wurden im vergangenen Oktober richtiggehend überrumpelt, zu einer Zeit, als es gesamtschweizerisch noch eher ruhig war. Wir wussten, dass die zweite Welle kommt, doch wir hatten zu diesem Zeitpunkt zu wenig Personal. Die Rekrutierung von Personal braucht relativ viel Zeit, das konnten wir nicht einfach schnell zwischen erster und zweiter Welle aufgleisen.

«Aktuell fehlen bei uns rund zehn Vollzeitstellen in der Pflege.»
Simone Machado

Wie wurde innerhalb des Spitals reagiert?

Wir konnten temporäresPersonal zuziehen. Wir versuchten, viele Aufträge der Pflege intern auszulagern, und haben viel Unterstützung erhalten. Auch die Angestellten der internen Hotellerie und vom Lager haben uns unterstützt, indem sie uns Arbeit abgenommen haben. Wir brauchten jede Hand. Die Patienten waren sehr pflegeintensiv, vor allem die Coronapatienten, und natürlich waren auch andere Patienten zu betreuen. Über ein Viertel aller Patienten hatten Corona. 

Der Fachkräftemangel ist ja überall gross. War der Beruf der Krankenschwester nicht lange ein Traumberuf? Was hat sich verändert?

Ich glaube, es ist die Schnelllebigkeit. Alsich 1999 in die Ausbildung ging, war es noch nicht so. Wenn ich mit jemandemspreche, der 30 oder 40 Jahre Berufserfahrung hat, sieht es nochmalsanders aus. Ein Beispiel: Ein Patient mit einem Schenkelhalsbruch blieb bis zu drei Wochen bei uns im Spital. Die erstendrei bis vier Tage waren sehr pflegeintensiv, dann blieb er bei uns,erholte sich und wurde umsorgt, bis er ins Pflegeheim zurückgehen konnte, in die Reha oder nach Hause. Heute wird die intensivste Pflege noch immer in den ersten Tagen geleistet. Dazu muss man sagen, dass der Fachkräftemangel nicht erst seit Corona besteht, aber Corona hat ihn verschärft.

«Ich wäre froh, wenn wir von der Politik mehr Unterstützung hätten.»
Simone Machado, Chief Nursing Officer Spital Lachen

Auf welchen Stationen zeigt sich aktuell der Fachkräftemangel am deutlichsten?

Notfall, Intensivstation, Anästhesie und im Operationssaal, das sind die Spezialgebiete. Das liegt daran, dass für diese Arbeitsfelder eine Spezialausbildung benötigt wird. Es gibt verhältnismässig wenig Personal, das sich bereiterklärt, das Nachdiplomstudium zu absolvieren. Das dauert berufsbegleitend zwei Jahre. Früher hatten wir oft Personen aus dem Ausland,vor allem Deutschland und Holland, die unsere Spezialgebiete abdeckten.

(...)

Was sagen Sie zur Abstimmungsvorlage der Pflegeinitiative, die am 28. November an die Urne gelangt?

Was für mich das Wichtigste ist: Es muss endlich vorwärtsgehen. Ob die Pflegeinitiative angenommen wird oder der Gegenvorschlag in Kraft tritt, ist nicht einmal so massgebend. Das Thema Fachkräftemangel muss einfach ernsthaft angegangen werden.

Vollständiges Interview in den Printzeitungen «March-Anzeiger» und «Höfner Volksblatt» zu lesen.

Johanna Mächler, Redaktion March24 & Höfe24