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06.08.2021
06.08.2021 11:09 Uhr

Ein Fall für die Zürcher Justiz: Schwyzer Kantonsrat Bernhard Diethelm

SVP-Mann Bernhard Diethelm bestätigt gegen ihn laufendes Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl.
SVP-Mann Bernhard Diethelm bestätigt gegen ihn laufendes Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl. Bild: Archiv
Gegen den Vorderthaler Kantonsrat läuft ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl.

Als der Vorderthaler SVP-Kantonsrat nicht zur Kantonsratssession vom 23. und 24. Juni erschienen war, nahmen dies die übrigen Parlamentarier zur Kenntnis. Man wunderte sich zwar darüber, weil Diethelm ansonsten nicht durch Abwesenheit glänzte. Für und für sickerte dann durch, dass für Diethelms Abwesenheit nicht etwa eine Krankheit oder berufliche Termine ausschlaggebend waren. Jetzt bestätigt die Medienstelle der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft auf Anfrage, «dass wir ein Strafverfahren führen, bei dem es zu einer vorläufigen Festnahme und polizeilichen Zuführung des Beschuldigten an die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl gekommen ist». Das Verfahren sei noch pendent, und mit Rücksicht auf den Untersuchungszweck und die Persönlichkeitsrechte des Beschuldigten könnten jedoch keine weiteren Angaben gemacht werden, heisst es weiter.

Zwischenfall im Rotlicht-Milieu

Vor der Staatsanwaltschaft waren bereits die Stadtpolizei Zürich und die Kantonspolizei Schwyz in den Fall involviert. Die Stadtpolizei Zürich als Polizei vor Ort, die Kantonspolizei Schwyz, die Diethelm den Stadtzürcher Kolleginnen und Kollegen zuführen musste. Von der Stadtpolizei Zürich wurde der Fall dann an die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl weitergereicht. Aufgrund dieses Weges ist der Verdacht naheliegend, dass es sich beim Zwischenfall nicht um ein einfaches Verkehrsdelikt handelt, zumal Diethelm als Nicht-Autofahrer gilt.

Gut informierte Kreise wollen wissen, dass der stramm-rechtsbürgerliche Kantonsrat in einen Zwischenfall im Rotlicht-Milieu verwickelt ist. Wer allenfalls auch noch in den Fall involviert ist und was dem Vorderthaler konkret vorgeworfen wird, wird sich wohl erst zeigen, wenn es zu einer Anklage kommen sollte. Darüber muss nun die Staatsanwaltschaft entscheiden, weshalb sie sich derzeit auch noch recht zugeknöpft gibt. Gleichzeitig verweist sie darauf: «Es gilt die Unschuldsvermutung.»

«Kämpfer» fürs Konservative

Der 38-jährige Bernhard Diethelm macht mit seiner konservativen Haltung immer wieder auf sich aufmerksam, sei es in Form von Leserbriefen oder von Voten im Schwyzer Kantonsrat, dem er seit 2016 als einziger Vertreter der Gemeinde Vorderthal angehört.

Auf seiner Homepage gibt sich Bernhard Diethelm «eigenständig, konsequent, volksnah». Dies führte kürzlich dazu, dass ihm die «Neue Zürcher Zeitung» unter dem Titel «Der Nein-Sager» eine ganze Zeitungsseite widmete, zu einem Zeitpunkt notabene, als Diethelm bereits als «Fall» bei der Zürcher Justiz aktenkundig geworden ist.

Noch ein Detail am Rande: SVP-Kantonsrat Bernhard Diethelm nennt eines seiner Ziele die «Stärkung des traditionellen (handwerklichen und bäuerlichen) Gewerbes für bessere Rahmenbedingungen und Abbau der Bürokratie». Jetzt ist er selbst in einen Fall geraten, der wohl einiges an Papier nach sich ziehen wird, aber wie die Staatsanwaltschaft schreibt: Es gilt die Unschuldsvermutung

UPDATE: SVP-Mann Bernhard Diethelm bestätigt gegen ihn laufendes Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl.

Diethelm sagt: «Sachverhalt ist rein privater Natur»

Der Vorderthaler SVP-Kantonsrat Bernhard Diethelm bestätigte gestern, was unsere Zeitung gleichentags publik machte: «Ich bestätige hiermit, dass eine Untersuchung im Kanton Zürich läuft, ich jedoch davon ausgehe, dass das Verfahren eingestellt wird oder ein Freispruch erfolgt, da ich unschuldig bin», schreibt der 38-jährige SVP-Hardliner. «Im Übrigen weise ich darauf hin, dass der untersuchte Sachverhalt rein privater Natur ist, welcher meine politische Tätigkeit und mein politisches Amt in keiner Art und Weise tangiert und daher auch nicht von öffentlichem Interesse ist», so der gewählte Kantonsrat Bernhard Diethelm.

«Politisch schaden»

Offensichtlich versuche jemand durch die Veröffentlichung, «welche mutmasslich unter Verletzung von Geheimhaltungspflichten erfolgt ist» – so die Stellungnahme –, ihm politisch zu schaden. Er behalte sich Strafanzeige wegen Geheimnisverletzung vor.

Die Medienstelle der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft bestätigte vorgängig, dass im «Fall Diethelm» ein Strafverfahren geführt wird, «bei dem es zu einer vorläufigen Festnahme und polizeilichen Zuführung des Beschuldigten an die Staatsanwaltschaft Zürich- Sihl gekommen ist».

«Streit im Privatbereich»

Recherchen unserer Zeitung deuten darauf hin, dass es sich um einen Zwischenfall im Rotlicht-Milieu gehandelt haben soll. Gegenüber «20min online» stellt Diethelm diesen Sachverhalt gestern Nachmittag noch vehement in Abrede. «Dies wurde an den Haaren herbeigezogen», wird er vom Online-Medium zitiert. In seiner persönlichen, schriftlichen Stellungnahme ist davon aber nichts zu lesen. Es soll sich um einen Streit gehandelt haben, der im Privatbereich stattgefunden haben soll. Gegenüber dem «Boten der Urschweiz » sagte Diethelm, dass es zu einer Auseinandersetzung mit einer Tätlichkeit zwischen ihm und einer erwachsenen Person gekommen sei und dass er vier Stunden lang verhört worden sei.

Mit Polizei und Staatsanwaltschaft

Im Zusammenhang mit diesem «Streit im Privatbereich» wurden sowohl die Stadtpolizei Zürich als auch die Kantonspolizei Schwyz aktiv. Und nun liegt der Fall bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, die entscheiden muss, ob – wie wir gestern berichteten – Anklage erhoben wird oder nicht. Mit einem Entscheid in dieser Angelegenheit dürfte aber nicht vor dem Herbst gerechnet werden.

 

Stefan Grüter, Redaktion March24 & Höfe24