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Region
03.08.2021

Entlang der Ausserschwyzer Grenze: Luftiges Panorama

Bild: Peter Jung
In unserer Sommerserie bewältigen wir die Ausserschwyzer Grenze mit den unterschiedlichsten Fortbewegungsmitteln. In der fünften und längsten Etappe erklimmen wir den Schiberg sowie den Chli Aubrig und umrunden das Wägital mit dem Gleitschirm.

von Urs Attinger

Auf dem Weg zum Schiberg treffe ich drei ältere Bergfreunde, die über einen anderen Weg, den Südwestgrat aufgestiegen sind. Dieser sei weglos, aber nicht schwierig zu begehen, sagen sie. Später kommen ein Mann und eine Frau von der Brenna-Route her, einer Kletterei über den Nordwestgrat im 3. Schwierigkeitsgrad auf den Gipfel. Sie suchen nach einer Startgelegenheit, denn sie haben Gleitschirme hinauf getragen. Wenn im Hochsommer aller Schnee geschmolzen ist, gibt es auch die Möglichkeit, über den Schneeschmelzipfad zum Bockmattli hinüber zu wandern. Es ist ein alpiner Wanderweg, weiss-blau-weiss markiert und nur zu begehen, wenn er schneefrei ist. Heute nehmen im Abstieg alle den Normalweg. Auch dieser ist nicht ganz ohne, braucht man doch ab und zu die Hände zum Stützen im steilen Gelände in Gipfelnähe. Alles in allem werden vom Wegweiser beim Oberhof drei Stunden Marschzeit bis zum Gipfel veranschlagt, mit den Pausen wird es bei mir etwas mehr.

Als Ausgangspunkt für meine zweite Wanderung auf den Chli Aubrig ist die Sattelegg ideal, man erspart sich die schweisstreibenden Höhenmeter aus dem Tal. Hier verlasse ich die Welt des motorisierten Verkehrs und schon bald heischen Wiesen und Weiden mit Hunderten von Schlüsselblumen und Sumpfdotterblumen Aufmerksamkeit. Ein Pärchen ist kurz vor mir in die gleiche Richtung gestartet, aber weil ich viel fotografiere, vergrössert sich der Abstand zusehends. 

  • Bergflockenblume Bild: Urs Attinger
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  • Sumpfdotterblume Bild: Urs Attinger
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  • Schlüsselblumen Bild: Urs Attinger
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In der Nordflanke des Chli Aubrig liegen bei meiner Besteigung noch Schneeresten. Dann quert der gute Weg in die Westflanke des Voralpengipfels. Einige Treppenstufen sind zu überwinden, eine mit einer Kette gesicherte Stelle. Unmittelbar nachher geht, ohne Wegweiser, eine steile Abkürzung direkt in Richtung Gipfel. Die nehme ich, aber das Pärchen, das über die Wildegg wandert, hole ich nicht mehr ein.

Nach einer intensiven Stunde und zehn Minuten stehe ich auf dem Gipfel und schaue in die Runde. Auffallend ist der Mutteristock im hinteren Wägital, der noch bis unter den Grat schneebedeckt ist. Die Mythen sind sichtbar, ebenso der Sihlsee. Der circa 50 Meter höhere Nachbar, der Gross Aubrig steht der noch besseren Aussicht im Weg. Es wäre nach Wegweiser nochmals etwa eine Stunde und  30 Minuten dort hinauf, doch er befindet sich nicht auf der Ausserschwyzer Grenze, also lasse ich es.

Unterdessen ist auch noch ein Gleitschirmpilot zu Fuss eingetroffen und legt seinen Schirm für den Start bereit. Ich beginne abzusteigen, lasse mir aber den Start des Piloten nicht entgehen. Als er über mich hinweg fliegt, winkt er sogar. Auf dem Abstieg treffe ich noch hie und da Wanderer, die in Richtung Gipfel streben, obwohl sich die Sonne nun hinter einer Wolkendecke verborgen hat. Regen sollte es aber nicht geben. Bergflockenblumen am Gipfel und Rote Waldnelken auf dem Rückweg, sowie überall Frühlingsenziane runden meine Exkursion in den Bergfrühling ab. Nach total etwa drei Stunden bin ich zurück auf der Sattelegg. Ich fahre auf der Sihlseeseite hinunter und mache noch etwas Sightseeing.

  • Blick auf den Brünnelistock mit dem Glarner Obersee im Hintergrund. Bild: Urs Attinger
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  • Fluebrig Bild: Peter Jung
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  • Bild: Urs Attinger
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  • Bergahorn auf Hohfläschen Bild: Urs Attinger
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von Peter Jung

Das Spiel mit den Elementen, dem Wind, dem Schirm, fasziniert mich. Und es ist für mich ein Spiel, ein strenges an diesem Tag. Ich will das Wägital mit dem Gleitschirm umrunden und starte in Einsiedeln. Anderthalb Stunden lang versuche ich bei diesen schwierigen Verhältnissen, Höhe zu gewinnen, bis ich beim Fluebrig Höhe machen kann und dann in Richtung Fläschlispitz fliege.

Dann gehts in Richtung Muttristock. Die Verhältnisse sind nicht einfach, ich muss ein bisschen zu weit westlich fliegen, sonst wäre ich viel zu tief. Kaum glaube ich, dass mich die Thermik in die richtige Höhe trägt, schon blockiert mich die nächste Luftschicht. Zeit, die wunderschöne Aussicht in Richtung Sihlsee zu geniessen, habe ich praktisch keine. Es ist weiterhin ein Spiel zwischen den Winden und mir. Dauernd schaue ich um mich herum, wo ich einen Aufwind erwischen kann. Zum Ochsenkopf komme ich nicht, mein Schirm trägt mich an diesem Tag einfach nicht höher.

Sonst fliege ich eher selten im Wägital. Es ist kein einfaches Fluggebiet. Aber der Hafer sticht mich, die Herausforderung steht. Die Aufgabe, das Wägital zu umrunden, reizt mich natürlich. Weiterhin ist es hoch oben ein kämpferisches Spiel. Die Winde fordern mich. Endlich erreiche ich 2'000 Meter Höhe, habe aber nicht viel Reserve zum Boden. Ich ringe um jeden Meter, den ich zurücklegen kann. Die Luftschichten an diesem Tag sind schwierig. Schon auf 1'400 Metern Höhe hat es eine Inversionsschicht, durch die ich fast nicht komme, auf 2'000 Metern passiert das gleiche.

  • Gleitschirmflieger Peter Jung Bild: Peter Jung
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  • Wägitalersee links, Klöntalersee rechts. Bild: Peter Jung
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  • Bild: Peter Jung
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  • Bild: Peter Jung
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Weiter gehts Richtung Zindelspitz und Schiberg, von dort zum Brünneli-stock. Das ganze Suchen um Thermik verbraucht viel Zeit, bald muss ich landen. Das Ziel eines Gleitschirmfliegers ist, mit wenig Aufwand möglichst viel Flugzeit herauszuholen. An diesem Tag ist es für mich anders. Es ist viel Aufwand, aber ein fantastisches Spiel zwischen der Natur und mir. Eine der letzten Freiheiten, die wir in der Natur noch haben.

Entlang der Grenze in neun Etappen

In diesem Sommer absolvierten March24 und Höfe24 die knapp 100 Kilometer lange Grenze der Region Ausserschwyz. Das Resultat unserer Wanderungen, Gleitschirmflüge, Inline- und Biketouren wird in neun verschiedenen Etappen präsentiert. Stay tuned!

Peter Jung