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Region
19.09.2020

Orcas attackieren Segelschiffe

Vor der spanischen Atlantikküste greifen Orcas neuerdings gezielt Segelboote an und zerstören ihre Steuerruder. Menschen sind bis jetzt nicht zu Schaden gekommen. Aber die Wissenschaft rätselt über die Ursachen der plötzlichen Angriffslust der Meeressäuger.

Als Schwertwale oder Orcas sind sie bekannt, die schwarzweiss gefärbten, imposanten Meeresräuber aus der Familie der Delfine. Killerwale werden sie auch genannt, weil sie bei der Gruppenjagd auf Delfine, Robben oder Thunfische ziemlich gerissen und brutal vorgehen.

Doch auf Menschen haben es die tonnenschweren Meeressäuger, die acht bis zehn Meter lang werden können, normalerweise nicht abgesehen. Umso mehr sorgt für Aufmerksamkeit, dass in den letzten Wochen mehrere Segelboote vor der spanischen Atlantikküste von diesen Walen attackiert und beschädigt wurden. Nun versuchen Meeresforscher herauszufinden, was hinter den rätselhaften Vorfällen steckt.

Der Rettungsdienst warnt

«15 Mal rammte uns der Schwertwal », berichtet Justin Crowther, der britische Kapitän der Segeljacht «Beautiful Dreamer». Der Wal mit der markanten schwarzen Rückenflosse sei immer wieder mit grosser Kraft gegen das Ruder geschwommen. Bis die 10-Meter-Jacht, die zu diesem Zeitpunkt elf Kilometer von der spanischen Hafenstadt Ferrol in der Region Galizien mit Motor unterwegs war, völlig manövrierunfähig gewesen sei. «Wir haben dann den Motor abgeschaltet.» Daraufhin habe sich der Angreifer zunächst zurückgezogen, sagte Crowther der spanischen Zeitung «La Voz de Galicia».

Als ungefähr 45 Minuten später ein Kreuzer des spanischen Seenotrettungsdienstes der havarierten «Beautiful Dreamer» zu Hilfe geeilt sei und die Jacht in Schlepp genommen habe, habe der Schwertwal erneut versucht, das Segelschiff zu rammen, diesmal aber ohne weitere Schäden anzurichten. 

Kurz nach diesem mysteriösen Geschehen, an dem möglicherweise mehrere dieser Meeresräuber beteiligt waren, informierte der Seenotrettungsdienst die Schifffahrt über einen «Angriff von Schwertwalen» vor der nordwestspanischen Küste

Auch ein gebührender Sicherheitsabstand schützt die Sportschiffe nicht unbedingt vor solchen Begegnungen, denn er ist schwer einzuhalten. Die Orcas, die als neugierig gelten, tauchen zuweilen ganz unvermittelt auf. So war es offenbar auch Ende August, als ebenfalls vor der galizischen Atlantikküste die Regattajacht «Mirfak» der spanischen Marine attackiert wurde. Die Marinesoldaten machten drei Schwertwale aus, von denen einer immer wieder das Steuerruder rammte. Und zwar so lange, bis es ausgerissen war. Dann verschwanden sie. «Das ist das erste Mal, dass mir dies in meinen 40 Jahren als Seemann passiert ist», kommentiertespäter Candido Cosuelo, einer der Marinesoldatenauf der «Mirfak», den Vorfall im spanischenFernsehen. Der erfahrene Segler Cosuelo glaubt nicht, dass die Schwertwale wirklich die Menschen anfallen wollten. «Die wollten mit dem Ruder spielen.» Am selben Tag wurde nicht weit entfernt auch eine französische Jacht attackiert.

Derweil berichtet die britische Zeitung «The Guardian» über weitere Zwischenfälle mit Schwertwalen, die sich schon im Juli weiter südlich, in der Nähe der Meerenge von Gibraltar, abspielten. 

Viele offene Fragen

Was steckt hinter dem Verhalten dieser Meeresbewohner? Fühlen sie sich bedroht? Oder sehen sie die Boote und deren sich ständig bewegenden Ruderblätter tatsächlich als eine Art Spielzeug?

Die Meeresbiologen der spanischen Walforschungsorganisation Cemma versuchen die Öffentlichkeit zu beruhigen. Es handle sich vermutlich nicht um gezielte Angriffe, sondern nur um «Interaktionen mit Schiffen», schreiben sie. 

Redaktion March24/Höfe24