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Geld & Energie
13.09.2020

Börse zum Wochenschluss etwas freundlicher

Christopher Chandiramani vermutet, dass durch die verlängerten Corona-Notmassnahmen auch die wirtschaftliche Erholung insgesamt noch länger dauert.
Leichte Erholung an der Börse, aber richtig gute Nachrichten fehlten. Halbjahreszahlen-Periode von Unternehmungen ist praktisch vorbei, das wirtschaftliche Umfeld bleibt düster.

Gemäss Medien haben sich letzte Woche asiatische Investoren aus einigen amerikanischen Aktien wieder zurückgezogen, die Gewinne mitgenommen, nachdem der US-Technologieindex NASDAQ Rekordwerte erzielt hatte. Bei uns pendelte sich der SMI-Index wieder oberhalb von 10’400 Punkten ein.

Die Europäische Zentralbank EZB verkündete eine unveränderte Geldpolitik, d.h. weiterhin Nullzinsen für längere Zeit. Unsere Nationalbank SNB dürfte die gleiche Politik verfolgen, um Währungsschwankungen möglichst gering zu halten. Die Arbeitslosenzahlen in der Schweiz ist vorläufig stark steigend. Höchstwerte von über 5 Prozent sind noch möglich, wenn die Kurzarbeit ausläuft.

Auf internationaler Ebene dauert der Streit zwischen der EU bzw. Deutschland und Russland bezüglich des Vergiftungsfalls Alexej Nawalny an. Die USA verharren im Wahlkampf. Am 3. November sind die Präsidentschaftswahlen. Gegner vom amtieren Präsidenten Trump werfen ihm vor, die Corona-Krise massiv heruntergespielt zu haben, sehen darin einen Grund für eine Nicht-Wiederwahl. Aber Umfrageresultate sind im Vergleich zur Vorwoche für Trump eher wieder besser. Computerhacker sind offenbar auch diesmal wieder in Lauerstellung, um die US-Wahlen zu stören. 

Unternehmensmeldungen

Die britische Pharmafirma AstraZeneca muss in Bezug auf Corona-Impfstoff von vorne beginnen. Tests mussten abgebrochen werden. Einige Versuchspatienten hatten zu grosse Nebenwirkungen. Die EU, USA und Grossbritannien hatten zuvor bereits Millionen von Dosen im Voraus gekauft, obwohl es gar noch keine Zulassung gibt. Die Franzosen strafen Pharmakonzerne wegen missbräuchlichen Praktiken. Betroffen sind auch die Basler Konzerne Novartis und Roche. Hier geht es um die Behandlungen der altersbedingten Makuladegeneration bei den Augen. Lucentis ist rund 30x teurer als das Alternativprodukt Avastin. Lucentis kostet rund EUR 1300 pro Dosis.

Die Grossbank Credit-Suisse präsentiert ein neues kostengünstiges handytaugliches Online-Produkt, namens «CSX» und fokussiert damit auf ein junges und digital-affines Kundensegment. An einer a.o. Generalversammlung von Pargesa wurde ein Zusammengehen mit Parjointco gutgeheissen. Diese Fusion soll im November 2020 rechtswirksam werden. Auch die Dekotierung der Pargesa-Aktien ist geplant.

Der Zuger Vermögensverwalter Partners Group hat den Reingewinn in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres corona-bedingt stark reduziert, wird aber in Kürze in den SMI (Index der grössten Schweizer Unternehmungen) aufgenommen. Die Börsenkapitalisierung beträgt zurzeit etwa CHF 23 Mrd. Der Immobilienfirma Allreal plant eine Überbauung in Zürich-Albisrieden mit 63 Eigentums- und 43 Mietwohnungen. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf etwa 75 Mio. CHF, Baubeginn ist per Ende 2022 geplant. Massive Corona-Schäden beim öffentlichen Verkehr - nachdem die SBB in diesem Jahr fast eine halbe Milliarde Verlust gemacht hat, gibt es Geldspritzen von insgesamt fast 900 Mio. Auch der touristische Verkehr (Bergbahnen und Schifffahrt) soll Finanzhilfe erhalten.

Aussichten

An der Septembersession des Parlaments in Bern wurden die Corona-Notmassnahmen des Bundesrats verlängert und somit die Rückkehr zur Normalität wieder hinausgeschoben. Teile von Frankreich und Österreich wurden als neue Risikogebieten erklärt. Auch die Arbeitslosigkeit als verzögerten Effekt steigt weiter. Rückschläge bei der Entwicklung von Medizin gegen die Corona-Krankheit sind zu beklagen. Vermutlich dauert auch die wirtschaftliche Erholung insgesamt länger. Ob nach einer Normalisierung auch Währungsreformen, Volldigitalisierung und Bargeldabschaffung usw. kommen ist noch ungewiss. Vorsichtige Anleger bleiben in Sachwerten investiert, Immobilien, Edelmetall und erstklassigen Aktien.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24