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Leserbrief
In-/Ausland
07.05.2022
06.05.2022 15:54 Uhr

Abstimmung zur Organspende: Leserbriefe

Bild: zVg
Bundesrat und Parlament wollen bei der Organspende die Widerspruchslösung einführen. Wer nach seinem Tod keine Organe spenden möchte, soll dies neu festhalten müssen. Am 15. Mal stimmen wir darüber ab. Wir haben eure Meinungen zusammengetragen.

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Leserbriefe zu den Abstimmungen vom 15. Mai werden noch bis 12. Mai entgegengenommen und hochgeladen. Bitte Leserbrief mit Titel und am Schluss mit Angabe des vollständigen Namens plus Ortschaft anredaktion@march24.choderredaktion@hoefe24.chschicken. Wir sind gespannt!

Ausbeutung der Menschen

Neu soll sich wehren müssen, wer keine Organtransplantation zulassen will. Die Gewerkschafter meinen, das Recht auf körperliche Integrität sei ein garantiertes, unveräusserliches Menschenrecht. Künftig könnten ohne ausdrückliche Zustimmung Organe automatisch entnommen werden. Dies wäre ein weiterer Schritt hin zur Verwertung und Ausbeutung des Menschen. Dagegen haben sich Gewerkschaften seit jeher gewehrt. Deshalb sagen sie Nein zum Transplantationsgesetz.

Gewerkschafter

 

Mehr Leben retten

Die Grünliberalen des Kantons Schwyz erkennen den Mangel an transplantierbaren Organen (rund 1'400 Personen warten aktuell in der Schweiz auf eine Organspende) und unterstützen den Gegenvorschlag des Bundesrats mit der erweiterten Widerspruchslösung. Es wird natürlich eine spannende Herausforderung des Bundes werden, ein neues und sicheres Organspende- Verzeichnis im Internet zu erstellen. Das neue Transplantationsgesetz scheint jedoch grundsätzlich geeignet, mehr Organe spenden und damit mehr Leben retten zu können. Die Grünliberalen stimmen darum dem neuen Transplantationsgesetz zu.

GLP Kanton Schwyz

 

Auf ein Organ zu warten, ist nicht schön

Ich bin eine Betroffene ... ich erhielt eine Niere. Darum lege ich ein Ja in die Urne. Viele Leute sind skeptisch gegenüber einer Transplantation, das begreife ich. Ich kann aber sagen, dass man in der Schweiz keine Angst ha-ben muss, dass einem ein Organ entnommen wird, bevor man tot ist. Da werden etliche Abklärungen und Tests gemacht von mehreren Ärzteteams.

Das Leben ist nicht leicht und schön, wenn man auf ein Organ warten muss. Es bedeutet viele Stunden im Spital, sei es bei der Dialyse, bei OPs, Untersuchungen oder Chemotherapien. Auch das Sozial- und Familienleben leidet sehr unter dieser Zeit. Man kann keine grossen Pläne machen, weil immer etwas dazwischenkommen kann. Bei der Dialyse muss man jeden zweiten Tag im Spital für vier Stunden anwesend sein. Dazu kommt, dass man nichts unternehmen kann, weil man zu schwach dafür ist oder einem sehr übel wird.

Viele Leute wissen nicht, was es bedeutet, wenn der Anruf kommt, dass man ein passendes Organ gefunden ha-be. Dieses Gefühl kann man fast nicht beschreiben: Es ist eine Mischung von Freude, Angst und Erlösung, also eine reine Gefühlsachterbahn. Der Gedanke, dass eine Person sein Organ spenden will, damit ein anderer Mensch eine bessere und schmerzfreiere Zukunft haben kann, zollt dem Spender den höchsten Respekt.

Daher möchte ich allen ans Herz legen, sich vor der Abstimmung zum Transplantationsgesetz gut zu informieren.

Lilian Keller-Küttel, Nierenempfängerin, Galgenen

 

Ein Ja, aber auch Gefahren sehen

Ende 2021 warteten in der Schweiz über 1400 Patienten auf eine Organspende. Deshalb wird eine Änderung des Transplantationsgesetzes vorgeschlagen, um die in der Schweiz im Vergleich zum umliegenden Ausland deutlich tiefere Spendenquote zu erhöhen. Dabei wird vorgeschlagen, von einer Zustimmungslösung, bei der zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt werden muss, auf eine Widerspruchslösung, bei der ausdrücklich eine mögliche Organentnahme abgelehnt werden muss, zu wechseln. Die Kritiker erachten dadurch das in der Verfassung verankerte Recht auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit als gefährdet.

Falls aber der vermeintliche Spender zu Lebzeiten seinen Willen nicht festgehalten hat, werden die Angehörigen für den Entscheid herangezogen. Man spricht deshalb von der erweiterten Widerspruchslösung. Diese zusätzliche Massnahme erachte ich als sehr taugliches Mittel, um dieses Recht nicht zu verletzen, kennen die Angehörigen doch die Haltung des Betroffenen und handeln sie erfahrungsgemäss sowieso zurückhaltend betreffend der Zusage für eine Organentnahme.

Ist kein Wille hinterlegt und sind keine Angehörigen erreichbar, ist eine Organentnahme verboten.

Somit handelt es sich bei der vorgeschlagenen Änderung um eine pragmatische und ethisch absolut vertretbare Lösung, mit der die Transplantationsmedizin als prestigeträchtiges High End der Schulmedizin gesetzlich gut geregelt ist. Deshalb stimme ich am 15. Mai klar Ja.

Dass damit die Grenzen des Möglichen immer weiter und weiter hinausgeschoben werden, ist in diesem Fall der gewünschte Effekt, von dem wir im Sinne der hierzulande bestehenden hohen Lebenserwartung mit guter Lebensqualität zweifelsohne profitieren.

Diese Entwicklung der modernen Schulmedizin insgesamt birgt aber auch die Gefahr, nur das Machbare anzustreben. Dabei sind das Sinnvolle und das Menschliche damit nicht immer deckungsgleich. Darüber muss sich die Gesellschaft und vor allem auch die Ärzteschaft vermehrt Gedanken machen.

Dr. med. Antoine Chaix, SP-Kantonsrat, Einsiedeln

 

Redaktion March24 & Höfe24