Home Region Sport Agenda In-/Ausland Magazin
Geld & Energie
23.04.2022

Aktien: Krieg, Zins- und Teuerungsschock

Bild: PD
In der verkürzten Woche nach Ostern liessen Inflation und Zinsängste die Stimmung kippen. In der zweiten Wochenhälfte kam es zu zögerlichen Erholungsansätzen, aber zum Wochenschluss beschleunigten sich der Abwärtstrend.

Einige Unternehmensnachrichten führten zudem zu Ausschlägen in beide Richtungen. Technologiepapiere verloren überdurchschnittlich.  

Die Inflation zieht weiter an. Im März stiegen die Preise in den USA um 8.5 Prozent, in Europa um 7.5 Prozent, in der Schweiz nur dank Frankenaufwertung um lediglich 2.4 Prozent. Schuld sind die massiv gestiegenen Energiepreise.

Jerome Powell, Chef der US-Notenbank FED kündigte für den Mai eine Erhöhung  der Leitzinsen von 0.5 Prozent oder mehr an. Die europäische Notenbank EZB wartet weiter zu trotz dem Vorwurf der Unentschlossenheit. Höhere Zinsen sind jedoch immer ein «Drahtseilakt» zwischen Teuerungsbekämpfung und Abwürgen des Konjunkturaufschwungs.

Der Krieg in der Ukraine hält an und verlagert sich in den Osten des Landes. Neben dem Leid werden die materiellen Schäden bereits auf rund 500 Mrd. USD geschätzt.

Ende April haben etwa die Hälfte der Schweizer Firmen die Dividendenzahlungen hinter sich. Die meisten Generalversammlungen waren virtuell infolge der noch geltenden Corona-Bestimmungen

Unternehmensnachrichten

Der Elektrohersteller ABB startete mit Schwung ins neue Jahr. der Auftragseingang stieg im ersten Quartal 2022 mit USD 9.4 Mrd. um mehr als einen Fünftel über der vergleichbaren Vorjahresperiode – dies trotz Lieferkettenproblemen, Corona und höheren Ankaufpreisen.

Auch der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat das innere Wachstum im ersten Quartal auf 7.6 Prozent beschleunigt (Vorquartal 7.2%) und hat ebenfalls die Analystenschätzungen übertroffen. Der Umsatz stieg um 5.4 Prozent auf CHF 22.2 Mrd. Die Kunden akzeptieren die höheren Preise.

Ebenfalls der Zementhersteller Holcim überraschte positiv. Im ersten Quartal 2022 verbesserte sich der operative Gewinn (Ebit) um 16.3 Prozent auf CHF 614 Millionen Franken, ein neuer Rekordwert. Dabei gelang es auch, die höheren Energiekosten an die Abnehmer weiterzugeben.

Mehr Mühe hatte es der Lifthersteller Schindler. Zwar kamen bei Schindler im ersten Quartal 2022 höhere Aufträge herein. Der Bestellungseingang stieg um 7.7 Prozent auf CHF 3,16 Mrd. aber der Nettogewinn nahm um fast einen Drittel auf 144 Millionen ab. Hier schlugen höhere Energie- Rohstoffpreise und Lieferkettenprobleme stärker zu Buche.

Die Aktien von Roche kamen zeitweise unter Druck wegen einer Verkaufsempfehlung der UBS-Analysten.

Bei der Credit Suisse wird spekuliert, dass die Aktie aus dem SMI, dem Index der grössten Gesellschaften, fallen könnte. Die Immobiliengesellschaft Mobimo expandiert und kündigte eine Kapitalerhöhung an. 10 alte Aktien geben eine neue zum Preis von CHF 245, Bezugsfrist: von 25.4.2022 bis 3.5.2022.

Aussichten

Bei der Wahl des Präsidenten in Frankreich wird ein knapper Wahlausgang erwartet. Wichtig ist das Resultat für die gesamte Europapolitik. Nach dem Austritt Grossbritanniens wird die EU hauptsächlich von Deutschland und Frankreich bestimmt. Südeuropaleidet immer noch an einer überdurchschnittlichen Staatsverschuldung, Grund für die verhaltene Zinspolitik der EZN. Die Ökonomen rechnen mit einer Wachstumsabschwächung der Wirtschaft durch Krieg, die hohen Energiepreise und unterbrochenen Lieferketten. Der Hafen Schanghai steht immer noch unter dem Corona-bedingten Lockdown. Die Aktien befinden sich somit bis auf weiteres in unruhigem Fahrwasser.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24