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Sport
18.04.2022
18.04.2022 13:29 Uhr

Bobpilot Michael Vogt und sein junges Team

Ein Rückblick auf die vergangene Saison.
Ein Rückblick auf die vergangene Saison. Bild: Keystone
Der Wangner Bobpilot Michael Vogt schaut auf seine Weltcupsaison zurück und ordnet seinen vierten Platz an den Olympischen Winterspielen in Peking ein.

Mit einer gewissen Distanz zum Wettkampfwinter und zwei Wochen Ferien in Costa Rica kann Michael Vogt seine Weltcupsaison sowie seine beiden Starts an den Olympischen Winterspielen in Peking gut einordnen. Grundsätzlich ist der Wangner Bobpilot «sehr zufrieden» mit seinem Abschneiden und demjenigen seiner Crew. «Wir konnten einen weiteren Schritt nach vorne machen.» Es war ein spezieller Winter, wie immer, wenn als Höhepunkt die Olympischen Spiele winken. An diesen durfte der 24-Jährige zum ersten Mal teilnehmen. «Für uns war es ideal, dass wir nach den ersten Rennen in Innsbruck die Olympiaqualifikation im Sack hatten», blickt Vogt auf letzten November zurück. Das hat dem Märchler Bobteam erlaubt, den Rest der Saison unter dem Gesichtspunkt «testen, testen und nochmals testen» zustellen. Nicht nur zum Vorteil, wie Vogt nachträglich findet.

Ein neuer Schlitten muss her

Nach den Testrennen auf der Olympiabahn in Yanqing im letzten Oktober war für Vogt klar, dass relativ kurzfristig ein neuer Bob hermusste. «Wir sind jahrelang mit dem Citius-Schlitten gefahren und haben gemerkt, dass wir damit auf der Olympiabahn auf keine guten Geschwindigkeiten kommen.» So wurde ein neuer BTC-Schlitten gekauft. «Die deutschen Bobs kann man nicht kaufen», erklärt Vogt. «Die lettischen BTC sind momentan die schnellsten auf dem Markt erhältlichen Bobs.»

Kompromisse waren nötig

Der Gedanke an einen neuen Bob war zwar nicht neu, eine Anschaffung und die damit langwierigen Anpassungen und Veränderungen waren eigentlich nach den Olympischen Spielen angedacht gewesen. Das viele Herumpröbeln am neuen BTC-Schlitten hat laut Vogt auch dazu geführt, dass die Wettkämpfe nicht immer optimal abgelaufen sind, auch wenn im letzten Jahr im Weltcup jedes Mal ein Top-10-Platz drin lag. «Das hat uns ein bisschen den Schwung genommen, die Konstanz hat gefehlt.» Testen heisst eben auch, dass man manchmal mit seinen Versuchen, am Setup etwas zu ändern, daneben liegt.

«Unser Ziel war immer, dass wir in Peking unsere Höchstform erreichen, materialtechnisch wie auch athletisch », erklärt der Märchler. «Da muss man halt auch gewisse Kompromisse eingehen.

Olympia war das grosse Highlight in der Saison von Bobpilot Michael Vogt. Bild: Keystone

Fast eine halbe Sekunde pro Lauf

Schaut man sich die Zeiten im Zweierbob und im Viererbob des Bobteams Vogt über die ganze Weltcup-Saison an, so fällt auf, dass das zurzeit beste Männerteam der Schweiz im Durchschnitt pro Lauf nicht ganz eine halbe Sekunde auf den Sieger verliert. Ist das einfach ein festgeschriebenes Gesetz? Oder kann man das ändern? «Das hoffe ich doch sehr, dass wir das ändern können», sagt Vogt bestimmt. «Wir sind im Vergleich zur Konkurrenz immer noch ein sehr junges Bobteam. Wir verlieren am Start immer noch zu viel Zeit.» Gerade auf Hochgeschwindigkeitsbahnen kann so etwas viel ausmachen. «In der Bahn haben wir gezeigt, dass wir an den Schnellsten dran sind oder sogar mithalten können.» 

«Da habe ich gemerkt, dass ich es geschafft habe.»

Routine und Konstanz werden wachsen

Wo kann man konkret den Hebel ansetzen? «Wenn ich mich mit der Konkurrenz vergleiche, kann ich sagen, dass wir ja erst seit vier Jahren Bob fahren, seit zwei Jahren professionell trainieren. Das bedeutet, dass jeder Einzelne im Team einen Schritt vorwärts machen kann. Zudem wächst die Routine und damit auch die Konstanz.» Francesco Friedrich fährt seit vielen Jahren mit der genau gleichen Mannschaft. «Da weiss jeder blind, was der andere tut.» In dieser Beziehung muss laut Vogt in den nächsten Jahren durchaus eine Steigerung von ein paar Hundertstelsekunden drinliegen.

«Eine krasse Erfahrung»

Dann kam der Höhepunkt der Saison, die Olympischen Spiele. Die Formalitäten und Einschränkungen empfand Vogt als nicht mehr so schlimm, wie sie in den Testrennen im Oktober gewesen waren. Als besonders eindrücklich von seinen ersten Olympischen Spielen nimmt Michael Vogt die Eindrücke von der Eröffnungsfeier mit. «Es waren zwar keine Zuschauer anwesend, war aber mit den vielen Athleten ein spezieller Moment und eine krasse Erfahrung.» Begonnen hat der Wow-Effekt am Flughafen in Zürich Kloten, wo die Delegation zusammenkam. «Da habe ich gemerkt, dass ich es geschafft habe.» Gefallen hat ihm auch die Stimmung am Start auf der Bobbahn. Auch wenn er während eines Wettkampfes «im Tunnel» ist und wenig von seiner Umgebung mitbekommt, hat er schon gesehen, dass viele Delegationen da waren und viele andere Wintersportler die Schweizer Teams unterstützten.

«Es hat mir noch keiner gesagt, er höre auf.»

Schon auf die nächsten Olympischen Spiele ausgerichtet

Mit dem vierten Rang im Zweierbob ging es für Vogt gleich spektakulär los. «Ja, ich trauere heute noch der verpassten Medaille nach», gibt der Wangner zu. «Hätte jedoch vor Peking mir jemand dieses Angebot gemacht, ich hätte sofort unterschrieben», relativiert er gleich. Dieses Nachtrauern um die Medaille hat laut Vogt auch dazu geführt, dass er im Viererbob nicht die gewohnte Leistung hat abrufen können. Mit dem neunten Rang verpasste er ein Olympisches Diplom hauchdünn. Er hat seine Lehren daraus gezogen: «Das muss ich beim nächsten Mal definitiv ändern», ist er sich bewusst. Daran ist er bereits mit seiner Mentaltrainerin am Arbeiten. Denn im nächsten Winter gilt das Augenmerk zwar dem Weltcup und der Heim-WM, aber schon jetzt wird alles auf die nächsten Olympischen Winterspiele in Mailand/Cortina d’Ampezzo ausgerichtet. So finden diese Wochen Gespräche mit seinem Team statt. Es gilt herauszufinden, «wer Bock auf die Olympischen Spiele in vier Jahren hat.» Vogt hofft, dass noch alle mit dabei sein werden. «Es hat mir noch keiner gesagt, er höre auf», lacht er.

Franz Feldmann, Sportredaktion March24 & Höfe24