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Kanton
20.01.2022
20.01.2022 15:56 Uhr

Fall «Sattel»: Vater kassiert neun Jahre Knast

Der im Strafgericht behandelte Fall wurde schweizweit publik.
Der im Strafgericht behandelte Fall wurde schweizweit publik. Bild: zvg
Das Strafgericht erkannte im «Fall Sattel» auf versuchte vorsätzliche Tötung und nicht auf versuchten Mord.

Der 56-jährige Deutsche, der in der Nacht auf den 18. August 2020 in Sattel mit einem Schlachtmessermehrmals auf seine damals 28-jährige Tochter und Lebenspartnerin eingestochen und diese lebensgefährlich verletzt hatte, muss neun Jahre ins Gefängnis. Das Strafgericht verurteilte den Mann wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sowie wegen mehrfachen Inzests.

Auf die Anordnung einer ambulanten Massnahme wurde verzichtet, da eine Therapierung auch im Rahmen des normalen Strafvollzugs erfolgen kann. Der Beschuldigte wird zudem für die Dauer von 15 Jahren aus der Schweiz verwiesen. Die Staatsanwältin hatte wegen versuchten Mordes und mehrfachem Inzest eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren beantragt.

Wollte sie für sich allein

Der Mann lockte zuerst den Kampfhund aus dem Schlafzimmer und stach dann mit dem Messer der auf dem Bauch im Bett liegenden und schlafenden Tochter in den Rücken. Dies aus Eifersucht, da die junge Frau eine offene Beziehung leben wollte. Der Mann tolerierte zwar das Fremdgehen der Tochter und Lebenspartnerin, um diese nicht zu verlieren, konnte die Situation aber innerlich offenbar nicht akzeptieren und verzweifelte daran.

Keine besondere Skrupellosigkeit erkannt

Nebst der neunjährigen Gefängnisstrafe (die bereits 514 Tage abgesessene Haft werden angerechnet) muss der Deutsche seiner Tochter 1'020 Franken Schadenersatz sowie eine Genugtuung von 35'000 Franken bezahlen. Sie hatte 60'000 Frankengefordert. Dem gemeinsam mit seiner Tochter gezeugten Sohn hat er eine Genugtuung von 5'000 Franken zu entrichten. Auf den Zivilweg verwiesen wurden die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen der Mutter des Opfers.

Schliesslich hat der Beschuldigte die Verfahrenskosten von über 175'000 Franken zu tragen. Das Urteil des Strafgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

Ruggero Vercellone, freier Mitarbeiter