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02.01.2022
06.05.2022 15:38 Uhr

Kein illegal gefälltes Holz mehr auf dem Schweizer Markt

Bild: zVg
Ob Kauf eines Notizblocks, Verlegen eines Parkettbodens oder Installation einer Pelletheizung: Seit dem 1. Januar müssen die Konsumenten über die Art und Herkunft des verwendeten Holzes informiert werden. Illegal gefälltes Holz und daraus hergestellte Produkte werden auf dem Schweizer Markt verboten.

Einige Konsumenten verzichteten bereits heute auf prekäre Holzprodukte, deren Herkunft entsprechend deklariert sei, erklärt Laurianne Altwegg vom Westschweizer Konsumentenschutz. Wenn es "zum Beispiel aus Brasilien stammt, kann das bei manchen die Alarmglocken läuten lassen, weil er oder sie damit möglicherweise die illegale Abholzung unterstützt".

Angesichts der grossen Zahl der betroffenen Produkte und der fehlenden Informationen dazu sei es für die Verbraucher derzeit jedoch schwierig, eine zuverlässige Wahl zu treffen, so Altwegg weiter. "Da die obligatorische Deklaration der Herkunft des Holzes nur wenige Produkte betrifft, können die meisten Verbraucher die Herkunft der vielen daraus hergestellten Produkte nicht erkennen und nicht wissen, ob das Holz illegal ist."

Die Verantwortung liege daher bei den Händlern, so die Expertin. Deshalb begrüsst sie die neuen gesetzlichen Standards. "Es ist notwendig, das Angebot auf dem Schweizer Markt zu verbessern."

Informationsnachweis und Risikoanalyse

Gemäss dem 2019 vom Parlament revidierten Umweltschutzgesetz und der Holzhandelsverordnung müssen Holzhändler eine Sorgfaltspflicht einhalten, wenn sie Holz zum ersten Mal in die Schweiz einführen. Diese Pflicht gilt jedoch nicht für Holz und Holzerzeugnisse, die bereits auf dem Schweizer Markt in Verkehr gebracht wurden.

Händler müssen sich über die Art des Holzes, das Herkunftsland oder die Herkunftsregion und die Daten zum Holzeinschlag informieren. Und sie müssen den Nachweis erbringen, dass sie dies getan haben.

Ausserdem wird eine Risikoanalyse verlangt. Wenn ein hohes Risiko besteht, müssen die Händler dieses auf ein "vernachlässigbares Niveau" reduzieren, indem sie beispielsweise zusätzliche Dokumente vom Lieferanten anfordern. Ein "hohes Risiko" besteht insbesondere dann, wenn der Korruptionsindex des Herkunftslandes unter 50 liegt - diese Skala reicht von 0 bis 100, von "stark korrupt" bis "wenig korrupt".

Die Gesetzesänderung gilt neu auch für in der Schweiz geschlagenes Holz, wenn es zum ersten Mal auf den Markt gebracht wird. Schweizer Holz gilt als legal, wenn bei der Ernte die Gesetze eingehalten wurden. Die Kantone müssen die Waldbesitzer entsprechend kontrollieren.

Bis zu drei Jahre Gefängnis

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) ist zuständig für die Überwachung der Holz-Importe. Dabei geht die Behörde risikobasiert vor: Sie konzentriert sich bei den Kontrollen vor allem auf grosse Holzmengen und auf Importe aus Risikoländern. Kommt ein Unternehmen seiner Sorgfaltspflicht nicht nach, kann der Verantwortliche mit einer Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden.

Während mit der Gesetzesanpassung für die Schweizer Exporteure nichts ändert, bringe sie für die Importeure mehr Bürokratie, sagt Daniel Ingold, Direktor von Cedotec, dem Westschweizer Büro von Lignum, dem Dachverband der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft.

Derzeit laufen Gespräche zwischen dem Bafu und den Branchen, um "einen Weg zu finden, der es erlaubt, nicht zu viele administrative Hürden zu haben", erklärt er. Und er spricht von Branchenlösungen, um den Mitgliedern Instrumente zur Verfügung zu stellen.

Auch Wiederverkäufer und Einzelhändler werden von der Gesetzesänderung betroffen sein. Sie müssen nachweisen können, woher das Holz stammt, das sie kaufen, und an wen sie es weiterverkaufen.

Die Rückverfolgbarkeit von Holz gilt für eine breite Palette von Produkten. Neben Notizblöcken, Parkett und Pellets geht es dabei auch um Baumaterialien, Küchenmöbel, Fotorahmen oder Weinfässer. Möbel aus gebrauchtem oder recyceltem Holz sind hingegen nicht betroffen. Auch Verpackungen, die nur den Inhalt schützen sollen, wie Papiertüten sowie Produkte aus Bambus sind nicht betroffen.

Eindämmung des Klimawandels

Mit den neuen gesetzlichen Bestimmungen will die Schweiz einen Beitrag leisten an die Eindämmung des Klimawandels. Ziel ist die Verlangsamung der Abholzung und des Verlustes der Biodiversität. Dies sei zwar ein erster Schritt, aber die Massnahme reiche nicht aus, kommentiert Johanna Michel, stellvertretende Direktorin des Bruno Manser Fonds, die Verschärfungen.

sda