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Lachen
02.01.2022
06.05.2022 15:38 Uhr

In der Pfadi sein in Zeiten von Corona – wie waren die beiden Jahre?

Kreativ unterwegs, besonders in der Corona-Zeit sind: Nicolas Solenthaler (l.), Nikita Hiestand und Lukas Schmucki. Sie leiten die Ausserschwyzer Pfadiabteilungen.
Kreativ unterwegs, besonders in der Corona-Zeit sind: Nicolas Solenthaler (l.), Nikita Hiestand und Lukas Schmucki. Sie leiten die Ausserschwyzer Pfadiabteilungen. Bild: Johanna Mächler
Das vergangene Jahr und schon das Jahr zuvor bargen einige Herausforderungen – auch für Pfadfinder. Nicolas Solenthaler und Nikita Hiestand von der Pfadi Höfe sowie Lukas Schmucki von der Pfadi Lachen berichten.

Wie haben die Pfadfinder die Coronazeit bisher gemeistert? Gab es viele Einschränkungen zu beachten? Eines vorweg: «Der Dachverband der Pfadi hat jeweils sehr schnell nach einem Bundesratsbeschluss kommuniziert. Da wurden die neusten Schutzanpassungen durchgegeben. Wir hatten eigentlich wenige Restriktionen», so Nicolas Solenthaler, Abteilungsleiter der Pfadi Höfe. Er schildert, wie Homescouting eingeführt wurde, also quasi Pfadi-Hausaufgaben. Ob denn alle Kinder Zugang zum Internet hatten? Offenbar ja. Wie Nikita Hiestand, stv. Abteilungsleiterin der Pfadi Höfe, ausführt: «Wir organisierten das Homescouting zusammen mit den Eltern der Kinder von Woche zu Woche. Es gab Aufgaben, Spiele, Aktivitäten und Wettbewerbe. Diese wurden ausgewertet, so dass der Ansporn blieb. Hätten wir einfach eine Pause gemacht, hätten wir wohl viele Kinder verloren. Auch in der Pfadi Lachen habe das Homescouting gut funktioniert. Lukas Schmucki, Abteilungsleiter der Pfadi Lachen: «Wir konnten auch nahtlos ein gewisses Angebot halten. Eltern waren froh darum, dass überhaupt noch etwas stattfindet, denn der FC beispielsweise musste ja pausieren.» Insgesamt waren die Schutzanpassungen so, dass mit Kindern vor allem draussen viele Aktivitäten erlebt werden konnten. «Damit haben wir eine gute Normalität aufrecht erhalten. Das war vor allem für Kinder wichtig, die es eher schon etwas schwierig haben.»

Lagerzeiten fanden in beiden Sommer statt, allerdings mit Corona-Auflagen. Bild: zvg

Soziale Kontakte pflegen sei schwierig

Doch die Gestaltung der sozialen Kontakte war nicht einfach. Nicolas Solenthaler: «Das war unterschiedlich, je nach Pfadistufe. Ältere Kinder, die Pfadis, nutzen ein Handy, hier gestaltete sich der Kontakt einfacher. Die Wölfe hingegen hatten es etwas schwieriger. Das sind die Sechs- bis Zehnjährigen. Wir mussten auf die Eltern setzen. Die Biber, das sind die Jüngsten, die kommen nur einmal monatlich in die Pfadi. Dort gab es eine Pause.» Die Abteilungsleitenden kennen viele Eltern persönlich. Die allermeisten seien übrigens «pflegeleicht», waren selber schon Pfadfinder oder sind es bis heute, sagt Lukas Schmucki. «Wir haben gesehen, dass für viele Eltern gerade in jener Zeit, als Homeschooling auch aktuell war, eine Überlastung bestand. Wir hatten Verständnis, dass das Homescouting hinter Job, Kindern, Haushalt und Schule kam. Es war ja schwierig, alles unter einen Hut zu bringen.» Die Pfadileitenden sind immer auch Beobachter: «Ich finde, es hat im Vergleich zum Vorjahr viel mehr Kinder, die Sorgen hatten und diese auch geäussert haben», sagt Nikita Hiestand. «Weil sie wegen Corona nicht mehr so viele Kollegen sehen konnten, zeitweise nicht in der Schule waren, haben sie öfter persönliche Sachen erzählt. Der soziale Kontakt hat ihnen gefehlt», beurteilt sie die Lage.

«Eltern waren durch Homeschooling oft überlastet. Da konnten sie nicht noch Homescouting machen. »
Lukas Schmucki, v/o Dacapo

Mit den Massnahmen umgehen können

Anpassungen im Programm waren aber trotz vieler und teils schnell wechselnder Massnahmen kaum nötig. Das führt Lukas Schmucki aus: «Während der Zeiten, als man Körperkontakte vermeiden musste, veränderten wir etwa die Spiele so, dass wir eine Distanz einhalten konnten. Als Beispiel: Fangis machen mit Poolnudeln. Was etwas gelitten hat, war das Vereinsleben im Allgemeinen, es gab auch keine Elternansammlungen mehr, beim Bringen oder Abholen der Kinder.»

«Es gab viel mehr Kinder, die Sorgen hatten und diese auch geäussert haben.»
Nikita Hiestand, v/o Dura

Sitzungen am Computer

«Innerhalb der Pfadi gibt es auch viele Sitzungen, diese mussten wir via Zoom halten», fügt Nicolas Solenthaler an. «Das Herbstlager wurde beispielsweise digital geplant. Das ging gut, aber für mich ist das nicht das gleiche. Und wir Leitenden sitzen auch sonst gern mal zusammen.»

Wünsche ans neue Jahr

Welche Wünsche hat die Pfadi ans neue Jahr: «Jedes Lager durchführen können, im 2020 musste das Pfingstlager abgesagt werden. Das Sommerlager konnte dann stattfinden. Es gab aber schon Einschränkungen, wie nicht in Städte zu gehen und keine Badis zu besuchen. Und natürlich, dass im kommenden Sommer das Bundeslager in Goms mit rund 30 000 Kindern stattfinden wird.» – «Es wird stattfinden, sonst wäre es bereits abgesagt», wirft Nicolas Solenthaler ein. «Es wurde ja schon um ein Jahr verschoben. Es ist organisatorisch und finanziell sehr aufwendig. Wenn wir es jetzt nochmals verschieben oder absagen müssten, wäre es auch finanziell ein Desaster.» Ob Kinder dann geimpft sein sollen? Das wisse man noch nicht, man könne aktuell noch keine Auflagen machen. Auch die Ausserschwyzer wollen in Goms dabei sein, wie übrigens fast alle Schwyzer Pfadis.

Fliegen mit den Pfadis Höfe. Bild: zvg

Eine interne Herausforderung werde es sein, mal wieder alle Eltern einladen zu können, etwa zum Grillieren. «Es gibt Eltern, welche die Stufenleitung ihrer Kinder nicht kennen, weil es in diesem Jahr viel Wechsel gab», so Schmucki. «Sie sollen wissen, wem sie ihre Kinder ins Lager mitgeben.»

«In der Pfadi kann man den Alltag etwas zurücklassen. Das möchten wir wieder ohne Einschränkungen leben.»
Nicolas Solenthaler, v/o Huck

Wünsche nach Normalität

Und persönlich? «Ich wünsche mir das normale soziale Leben im Alltag zurück», sagt Nikita Hiestand, die als Pharma-Assistentin arbeitet. «Ich wünsche mir persönlich und für die Pfadi, dass wir wieder zur Ruhe kommen. Die Pfadi ist eine Art Fluchtort, in der man den Alltag etwas zurücklassen kann. Das möchten wir wieder ohne Einschränkung leben», so Nicolas Solenthaler, Student der Biologie. Lukas Schmucki arbeitet als Stromer. Auch seine Wünsche für das Jahr 2022 sind klar: «Was ich mir wünsche, ist ebenfalls möglichst viel Normalität, so dass wir es mit den Kindern und Jugendlichen wieder so haben, wie es vor Corona war.»

Johanna Mächler, Redaktion March24 & Höfe24