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Lachen
30.12.2021

Omikron-Welle: Die Lage in den Spitälern spitzt sich zu

Die Lage in den Spitälern ist schweizweit angespannt. Fehlen Kapazitäten auf den Intensivstationen, könnte es im schlimmsten Fall zu einer «harten» Triage kommen.
Die Lage in den Spitälern ist schweizweit angespannt. Fehlen Kapazitäten auf den Intensivstationen, könnte es im schlimmsten Fall zu einer «harten» Triage kommen. Bild: Keystone
Die Verantwortlichen befürchten eine Überbelegung der Intensivstationen. Auch die Möglichkeit einer «harten» Triage steht im Raum. Im Spital Lachen ist die Situation angespannt.

Die Lage in Bezug auf die aktuelle Coronavirus Pandemie spitzt sich weiter zu. Die neue Omikron Variante ist mittlerweile für über die Hälfte der Neuansteckungen verantwortlich, wie Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Dienstag vor den Medien sagte. Zwar scheint die Omikron-Variante zu weniger schweren Krankheitsverläufen zu führen – sie ist gemäss Tanja Stadler, Chefin der Corona-Task-Force aber bedeutend ansteckender als frühere Varianten. Es ist zu erwarten, dass die Fallzahlen auch im neuen Jahr weiter steigen werden.

Kapazitätsengpässe befürchtet

Damit ist wahrscheinlich, dass sich auch die Lage in Schweizer Spitälern und insbesondere auf den Intensivstationen (IPS) weiter zuspitzen wird. Ein Problem stellt dabei nicht nur ein Mangel an zertifizierten IPS-Betten und die zu befürchtende hohe Zahl von Spitaleintritten dar, sondern auch der wegen der Omikron-Variante zu erwartende Ausfall beim Pflegepersonal. Denn die IPS-Kapazitäten richten sich primär nach dem zur Verfügung stehenden spezialisierten Fachpersonal.

Derzeit sind 78,6 Prozent der Intensivstationen belegt – 36,5 Prozent davon sind Covid-19-Patientinnen und -Patienten. Das heisst, von einer möglichen Überbelegung der IPS-Plätze wären auch Menschen mit anderen Erkrankungen oder nach Unfällen betroffen. Die laufende Entwicklung ist unsicher und kann sich jederzeit ändern.

Als Reaktion auf die aktuelle Situation schlugen die Luzerner Spitäler in einer Medienkonferenz von Dienstag als erste Alarm. Die Intensivpflege-Kapazitäten würden zusehends knapp und die Verlegungsmöglichkeiten zwischen den Spitälern seien auch über den Raum Zentralschweiz hinaus weitgehend ausgeschöpft. Die Verantwortlichen rechnen schon im Januar mit Triage-Fällen.

Spital Lachen trifft Vorkehrungen

Auch im Spital Lachen ist die Situation angespannt. «Unser Covid-Führungsstab macht sich Sorgen wegen der raschen Verbreitung der Omikron- Variante und möglicher Auswirkungen auf die Versorgung unserer Patienten», teilte Sabine Klapper, Kommunikationsverantwortliche Spital Lachen auf Anfrage mit. Die Verantwortlichen würden sich auf ein «angespanntes Szenario» vorbereiten, sollten Mitglieder des Personals erkranken oder in Quarantäne müssen. Sie seien aber bestrebt, den Spitalbetrieb weiterhin möglichst gut und sicher aufrecht zu erhalten und unnötige Ausfälle zu vermeiden. «Wir haben bereits Vorkehrungen getroffen und bieten Personal auf, das sich freiwillig für Extra- Schichten meldet», heisst es weiter.

«Wir haben bereits Vorkehrungen getroffen und bieten Personal auf, das sich freiwillig für Extra-Schichten meldet.»
Sabine Klapper, Kommunikationsverantwortliche Spital Lachen

«Derzeit sind wir ausgelastet»

Das Spital Lachen verfüge über sechs zertifizierte IPS-Betten, zwei davon seien Beatmungsplätze. «Derzeit sind wir ausgelastet», teilt Klapper mit. «Die Situation kann sich stündlich ändern.» Im Fall einer ausgelasteten Intensivstation verfüge das Spital Lachen über ein umfassendes Netzwerk mit anderen Spitälern – auch ausserkantonal. Eine Patienten-Triage mussten die Verantwortlichen bislang noch nicht in Erwägung ziehen. Seit Dezember habe das Spital Lachen rund 20 Prozent der nicht-dringlichen Operationen verschoben.

Das Spital Einsiedeln unterhält keine Intensivstation. «Der Spitalbetrieb läuft momentan normal, wir beobachten die Situation aber natürlich sehr aufmerksam», erklärte der Kommunikationsverantwortliche Andres C. Nitsch auf Anfrage.

Die Verantwortlichen des Spitals Schwyz waren bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

«Harte Triage» 

Eine sogenannte «harte» Patienten-Triage wird vorgenommen, wenn nicht mehr alle Patientinnen und Patienten eine intensivmedizinische Behandlung erhalten können, die eine benötigen. Ein möglicher Grund dafür ist Ressourcenmangel (Qualifiziertes Personal, IPS-Plätze). Diese Situation stellt eine hohe Belastung für die entscheidenden Ärztinnen und Ärzte dar. Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften hat in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) Triage- Richtlinien erstellt. Diesen gemäss sollen diejenigen Patientinnen und Patienten ein IPS-Bett erhalten, deren kurzfristige Prognose am vielversprechendesten ist. Ihr Covid-19-Impfstatus spielt dabei keine Rolle.

Franziska Kohler, Redaktion March24 & Höfe24